Leseprobe

664 | ����������� wohl deutsch (Dresden?), letztes Viertel 17. Jahrhundert Schmuckbesatz: wohl um 1660–1670 Silber, getrieben, vergoldet; Emailmalerei in Weiß, Schwarz und Rot auf Gold, Perlen, Smaragde, Bergkristall, farbig unterlegt H 16,1 cm; G 1 022 g ohne Marken Provenienz: erstmal erwähnt im Inventar Nachtrag zum Pretioseninventar 1725–1733 zugehöriges historisches Etui vorhanden (Inv.-Nr. E 249) Inv.-Nr. V 594 a 138 Deckelhumpen mit Schmuckbesatz Inventare S Inventar Nachtrag zum Pretioseninventar 1725–1733, fol. 81 r Eine silberne vergoldte Kanne so über und über mit Smaragden, Perlen, und emaillirten Schleiffgen und Rößgen besezet, stehet unten auf drey rund vergoldten Knöpffen, woran ebenfalls drey Rosen, mit Perlen und Smaragden besezet, sich befinden. S Inventar Pretiosenzimmer 1733, S. 377, 699 Eck-Kabinett [. . .] / No: 453. / Eine silbern vergoldte Kanne, so über und über mit Schmaragden, Perlen auf emaillirten Schleiffgen und Rößgen besezet, stehet unten auf dreyen runden vergoldten Knöpffgen, woran auch drey mit Schmaragden und Perlen besezte Rosen sich befinden. S Inventar Eckkabinett 1819, S. 283–285 No: 378. [mit Bleistift darunter:] No. 594 / Ein silbervergoldeter Krug mit Smaragd=Doubletten und Perlen auf emaillirten Schleifgen und Rösgen besezt; – es fehlen einige Rösgen mit Perlen – er steht auf drei runden vergoldeten Knöpfen, auf welchen Rosen mit Smaragden und Perlen besetzt. [Bemerkung mit roter Schrift:] Im Pretiosen=Saal. S Inventar Pretiosensaal 1879, S. 579 No: 594 a. / Ein silbervergoldeter Krug, mit Smaragd=Doubletten und Perlen auf emaillirten Schleifchen und Rosetten besetzt; – es fehlen einige Rosetten mit Perlen. Der Krug steht auf drei runden vergoldeten Knöpfen, welche ebenfalls Rosetten mit Smaragden und Perlen haben. Beschreibung Der zylindrische Humpen ruht auf drei Kugelfüßen und besitzt einen C-förmigen Henkel, der am unteren Ansatz gegenläufig geschwungen ist. Sein Lippenrand ist mehrfach profiliert, der flache Deckel lässt sich mithilfe einer kugelförmigen Daumenrast öffnen. Die Wandung der Kuppa, der Deckel und die Außenseite des Henkels sind dicht mit schmückenden Applikationen in verschiedenen Varianten bedeckt. Am häufigsten finden sich hier kleine Emailrosetten mit einer oder mehreren Perlen, große grüne Steine in einer Goldfassung, gerahmt von schwarz-weiß emaillierten Blättchen, sowie Emailschleifen mit einem kleinen grünen Stein. An den Kugelfüßen und der Daumenrast sitzt jeweils eine größere Rosette, besetzt mit fünf Steinen und vier kleinen Perlen. Innen verfügt das doppelschalig aufgebaute Gefäß über einen Trinkeinsatz, der am Gefäßboden und zusätzlich am oberen Henkelansatz verschraubt ist. Entnimmt man den Einsatz, so zeigt der Blick auf die Innenwandung, dass die Montierung der einzelnen Besatzstücke jeweils mit zwei dünnen Bindedrähten durch vier kleine Lochbohrungen in der Gefäßwand erfolgte – eine bei einer derartigen Goldschmiedearbeit eher ungewöhnliche Methode.1 Der nur minimale Abstand zwischen Humpenwandung und Einsatz bot offenbar zu wenig Platz für die normalerweise übliche Verschraubung der Besätze oder deren Befestigung mit Stiften, sodass die deutlich aufwendigere Methode des Aufbindens zur Anwendung kam. Durch Strichgravuren auf der Außenwandung (sie sind in montiertem Zustand verdeckt) wurde die Positionierung der einzelnen Elemente vorab bestimmt, um eine gleichmäßige Verteilung zu gewährleisten. Dieselbe Art der Montierung ist auch beim Deckel zu beobachten. Er besteht ebenfalls aus zwei mit einem zentralen Gewindestift verschraubten Teilen. Die Besätze der Kugelfüße, des Deckelknaufs und des Henkels wurden nicht aufgebunden, sondern aufgeschraubt bzw. verstiftet. Die Schmuckapplikationen selbst bestehen aus dünnem Goldblech, das durch die aufgetragene Emailschicht an Plastizität gewinnt. Zuschreibung, Datierung und Vergleichsstücke Die strenge zylindrische Form des Gefäßes, die Kugelfüße und der Henkel in C-Form gehören zu den typischen Merkmalen von Humpen der letzten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts. Vor allem in Augsburg entstanden in jener Zeit Exemplare dieses Typus, die allerdings zumeist mit qualitätvollen Gravierungen verziert sind.2 Auf den ersten Blick erinnert auch der schmückende Besatz des Dresdner Humpens ein wenig an Hervorbringungen der süddeutschen Goldschmiedemetropole, so etwa an die mit Email- und Stein­

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