Becher | 691 keine weiteren Werke mit diesem Meister in Verbindung bringen. Aus den Hofrechnungen wird jedoch deutlich, dass Schwedler 1637 einen weiteren Becher auf drei Kugelfüßen aus ungarischem Dukatengold mit gestochener Schrift und dem kurfürstlichen Wappen auf dem Deckel geliefert hat.5 Ikonografie Die Goldbecher fügen sich aufgrund ihres distinktiven Erscheinungsbilds zur heterogenen Gruppe der Goldschmiedearbeiten mit Münzdekor.6 Dieses Gestaltungsmerkmal findet sich bereits in der Antike und erfreute sich besonders im deutschsprachigen Raum seit dem frühen 16. Jahrhundert großer Beliebtheit. Davon legen auch im Grünen Gewölbe mehrere Gefäße dieser Art beredtes Zeugnis ab (Kat.-Nrn. 137, 154).7 Mithilfe einer Goldschmiedefassung konnten Münzen, ähnlich wie besonders wertvolle oder exotische Materialien, wirkungsvoll zur Geltung gebracht werden. Oft bekunden die Münzgefäße antiquarisches Interesse, da vielfach antikes Gepräge zum Einsatz kam. In Ermangelung von Originalen konnten auch mittels neuzeitlicher Kopien die Leerstellen »aufgefüllt« werden. Ebenso war eine Kombination von antiken mit zeitgenössischen Medaillen, die auf ein bestimmtes Ereignis als Anlass für die Fertigung oder auf den Auftraggeber weisen, durchaus üblich. Die Medaillen und deren Abschläge der vorliegenden Becher stammen vornehmlich aus der Regierungszeit Johann Georgs I. und beziehen sich teilweise auf wichtige Feiern oder Jubiläen der Kurfürsten (»Jubelstücken«, wie es in der Rechnung von 1635 heißt), so etwa auf das Reformationsjubiläum von 1617 oder die zur Jahrhundertfeier 1530 überreichte Confessio Augustana.8 Jeder Becher zeigt am Boden den Goldabschlag des Vikariatstalers von 1619 und des Doppeltalers von 1628, beide mit dem Reiterbildnis des regierenden Kurfürsten. Lediglich auf den Kugelfüßen befinden sich ältere Darstellungen, etwa Herrschermedaillen Friedrichs des Weisen, Johanns des Beständigen und Johann Georgs I. selbst. Dies ist durchaus sinnbildlich zu verstehen, schließlich reihte sich der regierende Kurfürst Johann Georg I. damit in die Tradition seiner Amtsvorgänger ein und baute auf deren Leistungen auf.
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