Flaschen | 771 zusammen mit den anderen Silberobjekten 1718 in die Schatzkammer des Grünen Gewölbes verbringen, wo sie auf einer Konsole des Silbervergoldeten Zimmers stand. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam das prachtvolle Schaugefäß auf den Buffets inner- und außerhalb Sachsens immer wieder zum Einsatz. Auf einer Zeichnung, die das Buffet des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. anlässlich der Kaiserkrönung Karls VII. im Frankfurter Römer am 12. Februar 1742 wiedergibt, nimmt die Flasche eine zentrale Position ein.18 Und auch bei den im Dresdner Schloss abgehaltenen Banketten anlässlich der Geburtstage Friedrich Augusts III. wurde sie gern und oft präsentiert, wie aus dem Journal des Grünen Gewölbes hervorgeht.19 Im 19. Jahrhundert erfreute sich die Dresdner Henkelflasche nach wie vor großer Beliebtheit, denn es entstanden unterschiedliche Nachbildungen durch mehrere Goldschmiede. Bekannt geworden sind zwei deutlich kleinere, in Details abgewandelte Wiederholungen in Privatbesitz. Die darauf eingeschlagenen Fantasiemarken deuten darauf hin, dass es sich dabei um Hanauer Arbeiten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts handelt.20 Ein Paar deutlich größerer Nachbildungen mit einer Höhe von 63,5 Zentimetern trägt die Marken von James Garrard (London, 1890).21 Bemerkungen zu Restaurierungen und zur Erhaltung Die am Halsansatz angebrachte kursächsische Wappenkartusche dürfte nicht ursprünglich zugehörig sein; sie wirkt aufgesetzt und fügt sich nicht organisch in die Gestaltung des Gefäßes ein. Das im Inventar der Kurfürstlichen Gemächer von 1683/84 erstmals um etwa drei Lot (40 Gramm) erhöhte Gewicht deutet darauf hin, dass es zwischen 1606 und 1683/84 angebracht wurde. Eine Restaurierung der Flasche erfolgte 1969.22 UW/IE Literatur Graesse 1876, Taf. 29; Seidlitz 1920, S. 262, 278, Nr. 149, Taf. 34; Sponsel 1921, S. 181; Sponsel 1925–1932, Bd. II, S. 262, Taf. 56; Haenel/Holzhausen 1937, S. 78; Dresden 1960, S. 61, Nr. D*142 (mit Abb.); Menzhausen 1968 a, S. 51, 73, Nr. 11; Dresden 1971, S. 307, Nr. 576, S. 309 (Abb.); Hayward 1976, S. 363, Abb. 274; Hernmarck 1978, S. 128, Abb. 266; Syndram 1997, S. 41, Nr. 18; Münzberg 2002, S. 137, A 1, S. 169, Abb. 36; Heitmann 2004/05, S. 94 f. (Abb.); Weinhold 2020, S. 69, 118 f., Abb. 81 Anmerkungen 1 Gemeint ist »186«. 2 Siehe www.e-rara.ch/zuz/doi/10.3931/e-rara- 38304 (aufgerufen am 14. 9. 2023): »Die schwer Belegerung der Insel unnd Stat Rodts anno etc. 1522«, Hans Sebald Beham, rot kolorierter Holzschnitt, H 29,2 cm, B 40 cm, Zentralbibliothek Zürich, EDR I 1522 Beham Pp. Die Belagerung von Rhodos begann am 26. 6. 1522 und endete am 1. 1. 1523 mit dem Abzug der Johanniter von der Insel. 3 Haenel/Holzhausen 1937, S. 78; Seidlitz 1920, S. 278, Nr. 149. Sponsel verzichtet gänzlich auf Angaben zum Herstellungsort. 4 Hernmarck 1978, S. 128. 5 Menzhausen 1968 a, S. 51. 6 Szilágyi/Bardoly/Haris 2014, S. 46–51, Nr. I.1; Budapest 2006/07, S. 57, Nr. 1 (mit weiterer Literatur). 7 Zu dieser Diskussion vgl. Passau 2001, S. 216– 218, Nr. 4.18. 8 Die Aufschrift auf dem Etui lautet: »EMERICUS FORGÁCH 1593« und »CATHARINA DUCISSA SAXONIAE 1593«, Passau 2001, S. 216 f. 9 Hayward 1976, S. 276. 10 Vgl. etwa die Blätter des in den Niederlanden tätigen Monogrammisten IG; De Jong/ De Groot 1988, S. 88 f. 11 Hernmarck 1978, S. 127–129. 12 Vgl. etwa die Miniatur aus dem Breviario Grimani, niederländisch, Ende 15. Jahrhundert, Venedig, Bibliothek von San Marco (Schiedlausky 1959, S. 58, Abb. 14), oder die Tapisserie mit der Festtafel des Assuerus, franko-flämisch, 1470–1490, Saragossa, Museo Catedralicio de la Seo, 15211 (Franke 2002/03, S. 41, Abb. 15, S. 43, Abb. 17). Vgl. auch die Darstellung von Kettenflaschen im Wechsel mit Lavabos auf Buffetentwürfen des 18. Jahrhunderts, in: Weinhold 2020, S. 102–104, Abb. 69, 70; Hernmarck 1978, S. 128. 13 Derartige Darstellungen von Tafeln mit bereitstehenden Kühlkesseln finden sich häufig. Vgl. etwa das Gemälde mit der Hohenemser Festtafel, Anthoni Bays, 1578, Polička, Mětské Muzeum a Galerie; Seelig 1994 d, S. 176 f., Abb. G 3. 14 Vgl. hierzu auch Heitmann 2004/05, S. 95. 15 Zwei ebenfalls sehr große vergoldete Silberflaschen mit einem Gewicht von etwa 35 und 34 Mark sind im Inventar der Rentkammer von 1610 aufgelistet. Ob es sich bei einer der beiden um das hier vorliegende Exemplar handelt, bleibt unklar, zumal dieses durchgehend in den Inventaren der Kurfürstlichen Gemächern aufgeführt ist. 16 Weinhold 2020, S. 65–71; Weinhold 2004/05, S. 207; Münzberg 2002. 17 Weinhold 2020, S. 69, 71, Anm. 16. 18 Ebd., S. 116 f., Abb. 80. 19 Ebd., S. 159, Liste II.6. 20 Fotos zweier derartiger Flaschen (H 28–30 cm) sowie Briefwechsel mit den Besitzern (AGG). 21 Auktionskatalog Christie’s New York, Nr. 21002 The exceptional sale, 27. 1. 2023, Nr. 21. Die Reliefs unterscheiden sich vom Dresdner Vorbild. Auch befinden sie sich nur auf den Vorderseiten, siehe www.christies. com/lot/lot-6410994?ldp_breadcrumb=back &intObjectID=6410994&from=salessummary &lid=1 (aufgerufen am 30. 1. 2023). 22 Restaurierungsbericht, Eva Herzog, September 1969. Abb. 2 Pilgerflasche Ungarn oder Nürnberg, um 1470–1480 Silber, vergoldet, Email, H 77,5 cm Budapest, Kunstgewerbemuseum, Inv.-Nr. E 59.1, jetzt Fertöd, EsterházySchlossmuseum, Inv.-Nr. 2017.50.1-2
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