Leseprobe

Lavabos | 811 morphen Schöpfungen mündet. Auch die Verzierung des ursprünglich schlichten indischen Perlmutterbeckens mit plastischen Figuren, den großflächigen Pflanzenornamenten (wenngleich auf der eher unscheinbaren Rückseite) und der ursprünglich vorhandenen Farbfassung (siehe Bemerkungen zu Restaurierungen und zur Erhaltung) trägt den Keim der Vollendung in sich. Dieses aufwendig gestaltete Ensemble im Grünen Gewölbe diente wohl rein repräsentativen Zwecken. Aufgrund der Materialkombination war vermutlich keine ausreichende Dichtigkeit an den Verbundstellen zwischen den Schnecken und der Metallfassung gegeben. Deshalb wurde die Kanne auch nicht im herkömmlichen Sinn als Schenkgefäß verwendet. Bemerkungen zu Restaurierungen und zur Erhaltung Im Inventar von 1610 ist von »eingeschmelztenn farbenn« die Rede, die aber bereits neun Jahre später »in abbeizen weg gegangen« waren.17 Der ursprüngliche buntfarbige Eindruck durch die Farbfassung muss der prächtigen Garnitur noch zusätzlich einen besonderen Charakter verliehen haben. Das Becken erfuhr 1963,18 die Kanne 200819 restauratorische Eingriffe. 2016 wurde das Ensemble einer grundlegenden Restaurierung unterzogen.20 TW Literatur Graesse 1876, Taf. 61 (Becken); Graesse 1881, S. 73, Nr. 248; Erbstein 1884, S. 96, Nr. 248, S. 98, Nr. 256 (Kanne); Sponsel 1921, S. 184; Seidlitz 1921, S. 28, Nr. 433, Taf. 61; Dresden 1959, S. 102; C 371 (Abb.); Menzhausen 1959 a; Dresden 1959, S. 102, Nr. C 371; Menzhausen 1968 a, S. 83 f., Nr. 46; Hayward 1976, S. 383, Taf. 476, 477; Lipinsky 1977, S. 5; Lissabon 1996, S. 134 f.; Habsburg 1997, S. 174, Nr. 234; Syndram 1997, S. 53, Nr. 81; Sangl 2001, S. 267 f.; Schürer 2002, S. 197, Anm. 55; Hamburg/ New York/Rom 2004/05, S. 84–87; Syndram 2005 b, S. 52 f.; Kappel/Weinhold 2007, S. 87; NGK 2007, Bd. I.1, S. 379–381, Nr. 809.05; Washington 2007 (1), S. 366, Nr. P-61; Mantua 2008/09, S. 298, Nr. 74; Lissabon 2009, S. 83, Nr. 26; Syndram/­ Minning 2010, Bd. II (1619), Abb. 50; Mannheim 2012, S. 164, Nr. III.16; Weber 2012, S. 253 (Abb.), 254; Marx/Plaßmeyer 2014, S. 424 f., Nr. 613, Taf. 38; Haug 2018, S. 201–205; Richter/Weinhold/ Witting 2018, S. 18 f., Abb. 1; Porto 2021, S. 50–52; Syndram 2021 a, S. 129; Witting/Weinhold 2022/23, S. 99, Abb. 5, S. 104, Abb. 13, 14 Anmerkungen 1 Trnek geht so weit, die grafischen Vorlagen für die männlichen Flussgottheiten in der Sansovino-Nachfolge zu suchen, während er die weiblichen von der süddeutschen Plastik beeinflusst sieht (Wien 2000, S. 295, Nr. 295). 2 Sauerländer 2008, Bd. I, S. 128 f., Nr. 339; Hayward 1976, S. 383. 3 Belegt durch eine Hofzahlamtsrechnung von 1592 (Mannheim 2012, S. 164, Nr. III.16) und durch das Nürnberger Beschauzeichen Nr. 9 (1592–1594), Literatur allgemein zur Garnitur: Mannheim 2012, S. 164, Nr. III.16 (Kanne); Baden-Baden 2009, S. 262; Wien 2000, S. 295, Nr. 229, S. 297 (Abb.). Wir danken Paulus Rainer, Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer, herzlich für seine Hinweise. 4 Moskau 2005, S. 66 f., Nrn. 22, 23. Nach wie vor steht die finale Klärung aus, ob die Perlmutterarbeiten indischen oder europäischen Ursprungs sind. 5 Zu dieser Thematik siehe Neuwirth 2016. 6 Haug verweist auf die italienischen Stileinflüsse, die Schmidts Lehrer Wenzel Jamnitzer durch Jacopo Strada, der in den 1540er Jahren in dessen Nürnberger Werkstatt mitarbeitete, vermittelt wurden und auch für Schmidt relevant waren, siehe Haug 2018, S. 344. Abb. 4 Beckenrückseite mit Malerei aus Gujarat

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