864 | ������������������������������������������������ Beschreibung Die Hälfte einer sogenannten Seychellennuss bildet den mächtigen, etwas unregelmäßig geformten Gefäßkörper dieser ganz besonderen, weißsilbern montierten Kanne. Sie ruht auf einem runden, mit einem großen Eierstab verzierten Fuß. Darüber erhebt sich ein balusterförmiger, von großen Akanthusblättern bedeckter Schaft. In beiden Fällen setzen sich die gravierten, glänzend-glatten Dekore von einem punzierten Grund ab. Ein ausgeschnittenes und leicht gebogenes Blech sitzt zwischen dem Schaft und der Nuss, die von vier breiten Spangen aus Silberblech gehalten wird. Sie sind durchbrochen gearbeitet, beschlagwerkartig geformt und sparsam mit gravierten Linien verziert, welche parallel zu den Rändern verlaufen. An einigen Stellen weisen sie Akanthusblattornamente auf. Das Heck des schiffsförmigen Gefäßkörpers wird von einer runden, in der Mitte offenen Silberplatte betont, die in eine breite Deckplatte mündet. Diese wiederholt den Motivschatz der Spangen und gleicht die unregelmäßige Form der Nuss aus, indem sie auf einer Seite dicker gearbeitet ist. Auf der Öffnung in der Mitte der Nussoberseite sitzt ein schmaler glatter Lippenrand, auf dem der mittels eines Scharniers befestigte und mit einem schlichten kugelförmigen Knauf versehene Deckel liegt. Dessen leicht gewölbte Oberseite besitzt die Gestalt einer von Meereswogen umspülten Jakobsmuschel. Der Ausguss vorn am Gefäß entspringt dem weit aufgesperrten Maul einer Löwenmaske und ist auf eine beschlagwerkartige Silberplatte montiert, die sich wiederum der Nussform anpasst. Zuschreibung und Datierung Die durch eine Quelle belegte Tatsache, dass die Nuss bereits mit der silbernen Fassung in Lissabon erworben wurde, legt eine Herkunft aus einer portugiesischen Goldschmiedewerkstatt nahe. Von den bekannten Seychellennussgefäßen (siehe Vergleichsstücke) besitzt das Exemplar der Schatzkammer des Deutschen Ordens die meisten Gemeinsamkeiten, insbesondere in Bezug auf den sparsam gravierten Dekor sowie die teilweise durchbrochen gearbeiteten Spangen.2 Für die Fassung dieses ebenfalls ungemarkten Stücks wurde eine Entstehung in Lissabon vermutet, doch bringen neuere Erkenntnisse auch Goa ins Spiel, wo einer Quelle aus dem Jahr 1579 zufolge nicht nur Perlmutter- sowie Elfenbeinkästchen, sondern auch Kokosnüsse von Goldschmieden
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