Kannen, Krüge und Kredenzen | 865 für den Export mit Silberfassungen versehen wurden.3 Als Eckpfeiler Portugiesisch-Indiens kontrollierte die westindische Hafenmetropole die wichtigsten Handelsrouten für Luxusgüter nach Europa. Sie war jedoch nicht nur bedeutender Handelsplatz, sondern seit etwa 1550 ebenso ein wichtiges künstlerisches Zentrum und verfügte über traditionsreiche lokale Werkstätten, die für die portugiesischen Händler tätig wurden.4 Viele dieser Meister absolvierten ihre Ausbildung in Lissabon, was ihren Stil deutlich geprägt haben dürfte. Doch ist umgekehrt auch die Arbeit von Goldschmieden aus Portugal und anderen europäischen Städten in Goa überliefert, sodass es einen künstlerischen Austausch gab, der stilistische Zuschreibungen erschwert. Vergleichsstücke Nur acht derartige Seychellennüsse mit Silberfassungen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts sind heute bekannt. Die größte Sammlung dieser exotischen Naturalia befand sich im Besitz Kaiser Rudolfs II., der über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügte und sich angeblich eines der Exemplare im Jahr 1602 die enorme Summe von 4 000 Gulden kosten ließ.5 Insgesamt fünf in Silber gefasste sowie 13 ungefasste »cocci de maldivae« zählt das von 1607 bis 1611 angelegte Inventar seiner Prager Kunstkammer.6 Das prachtvollste Exemplar dieser Sammlung und vielleicht das bedeutendste seiner Gattung wurde von dem Augsburger Goldschmied Anton Schweinberger signiert und hat sich im Kunsthistorischen Museum Wien erhalten.7 Dort befindet sich auch ein weiteres Seychellennussgefäß mit einer wohl ebenfalls in Augsburg entstandenen silbervergoldeten Fassung, die ursprünglich aus dem Besitz Erzherzog Ferdinands II. stammt und 1596 erstmals erwähnt wird.8 Ihm eng verwandt und wohl in der gleichen Werkstatt entstanden ist eine Kanne im British Museum, London.9 Das bereits erwähnte Exemplar in der Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien – gleichermaßen aus der Rudolfinischen Kunstkammer stammend – besitzt einen Deckel, auf dem sich das Horn einer Ziegenantilope erhebt. Es enthielt einst im Inneren einen von einer Kette herabhängenden Bezoar, sodass es gleich mehrere der wundertätigen Naturalien in sich vereinte.10 Mit Korallen geschmückt ist die erst gegen 1630 in der Werkstatt des Augsburger Goldschmieds Johannes I Lencker entstandene Kanne, die den Kunstschrank König Gustav Adolphs von Schweden bekrönt.11 Des Weiteren seien zwei Kannen in der Galleria Estense, Modena, sowie im Besitz einer portugiesischen Adelsfamilie erwähnt.12 Provenienz Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der hier vorliegenden Kanne um die »cocha de Maldifa in silber eingefast, so für güft Gehen zorn, und melancholia«, die Kurfürst August 1579 von dem Händler Hieronymus Kramer erworben hatte (siehe S. 57). Sie war damals Teil eines Konvoluts, bestehend aus weißem Damast, »zway Stuckh gestepte[n] Leinwath mit Baumwoll« sowie »etliche[n] Persillianische[n] Castenros [vielleicht Kokosnüsse]«, für das insgesamt ein Betrag von 501 Gulden verlangt wurde. Zum Vergleich bietet sich etwa der 1590 erworbene Anhänger mit dem heiligen Georg an, der mit 686 Gulden zu Buche geschlagen hatte.13 Obwohl es sich dabei um ein überaus kunstvoll verarbeitetes goldenes, mit insgesamt 17 Edelsteinen besetztes Kleinod handelte, kostete das Schmuckstück nur unwesentlich mehr als das kleine Konvolut mit der sparsam in unvergoldetes Silber gefassten kostbaren Naturalie. Der ursprüngliche Aufbewahrungsort der Seychellennusskanne ist nicht bekannt, denn sie erscheint erstmalig in einem Inventar der Rentkammer von 1610 sowie 1611 auf einem nach dem Ableben Christians II. durch die Rentkammer erstellten Verzeichnis von Objekten. Zwischen 1619 und 1640 muss sie dann in die Kunstkam
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