868 | ������������������������������������������������ Zuschreibung und Datierung Fayence Siehe Kat.-Nr. 192. Goldschmiedearbeit Das auf das Kurfürstenpaar August und Anna bezogene Monogramm »AA« am Lippenrand des Krugs gibt einen Entstehungszeitraum zwischen 1548, dem Jahr der Eheschließung, und 1585, dem Todesjahr Annas, vor. Naheliegend erscheint, dass es sich um einen kurfürstlichen Auftrag an eine Dresdner Werkstatt handelte. Sponsel vermutete aus stilistischen Gründen, dass die Montierung in der Werkstatt des Dresdner Goldschmieds Valentin Geitner entstanden sein könnte.1 Diese Zuschreibung ist allerdings wenig plausibel, da Geitner erst 1580 Meister wurde, die Goldschmiedearbeit allerdings stilistisch bereits um 1550 bis 1560 anzusetzen sein dürfte. Bei dem gegossenen Ornamentfries auf dem Deckel handelt es sich um Halbfertigware, wie der Vergleich mit der Fußschale des Nürnberger Meisters Caspar Widman zeigt, wo der gleiche Fries im Inneren des kleinen Gefäßes eingesetzt wurde (Kat.-Nr. 155, siehe Abb. S. 716). Hayward, der die Fayence noch für eine englische Arbeit hielt, vermutete, dass Teile der Silbermontierung ebenfalls in England entstanden und später in Sachsen weitere Elemente hinzugefügt wurden.2 Diese Zuschreibung erscheint mittlerweile durch die Identifizierung der Fayence als Antwerpener Arbeit als sehr unwahrscheinlich und kann auch nicht durch Objektvergleiche untermauert werden. Allerdings könnte das auf der Unterseite des Standrings einpunzierte Monogramm »EC« als Besitzerstempel gedeutet werden, was prinzipiell die These einer Umarbeitung unterstützen würde. Möglicherweise könnte eine technologische Untersuchung der Montierung im Rahmen einer künftigen Restaurierung weitere Erkenntnisse zutage bringen. Vergleichsstücke Ein Malling Jug im British Museum, London, entspricht im Typus dem Dresdner Stück, ist jedoch weniger stark gebaucht und zeichnet sich durch eine andere Farbigkeit und Struktur der Oberfläche aus.3 Die Montierung erfolgte nach demselben Prinzip mit den vier Spangen, dem Reif auf der Kannenschulter, dem breiten Lippenrand und dem mit Silber belegten Henkel. Sie ist aber stilistisch und in der Feinheit der Ausführung nicht mit der Kanne des Grünen Gewölbes vergleichbar. Provenienz Die beiden ineinander gestellten und horizontal gespiegelten Buchstaben »AA« verweisen auf Kurfürst August und dessen Gemahlin Anna als ursprüngliche Besitzer des Deckelkrugs. Derartige Initialen sind spätestens seit Beginn des 16. Jahrhunderts als Stickereien auf Kleidungsstücken sowie bei Schmuckstücken zu finden, wobei angenommen wird, dass die dänische Königstochter die Vorliebe für derartige Monogramme aus ihrer Heimat mit nach Sachsen brachte.4 Das Monogramm A für Anna ist mehrfach auf Anhängern und Ketten,5 das Doppel-A des sächsischen Kurfürstenpaars auch auf Silbergefäßen (Kat.-Nr. 142) und Waffen zu finden. Als frühes Beispiel des gespiegelten Doppelmonogramms ist etwa das heute in der Dresdner Rüstkammer erhaltene Reitschwert zu nennen, ein Auftragswerk des Nürnberger Goldschmieds Heinrich Hoffmann für Kurfürst August im Jahr 1555.6 Die bekrönende Amorette mit einem Herz in der Hand verleiht der engen Verbundenheit Ausdruck, die das Paar allem Anschein nach zeit seines Lebens füreinander empfand.
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