Katalog
116 Militärische Traditionen und demokratische Ansätze Neue Herausforderungen für die Polizei Die Phase relativer politischer Stabilität zwischen 1924 und 1928 wurde dazu genutzt, die Polizei zu entmilita- risieren. Diese rekrutierte nun vornehmlich junge Män- ner, die nicht mehr Angehörige von Armee oder Frei- korps gewesen waren: Polizist wurde zu einem Ausbil- dungsberuf, der von einem demokratischen Selbstver- ständnis geprägt sein sollte.Auch Frauen hatten nun in größerem Umfang Zugang zum Polizeidienst, sie waren vor allem in der Fürsorge tätig. Die zunehmende Motorisierung und neue Formen organisierter Kriminalität stellten die Polizei vor immer größere Herausforderungen. Zu den neuen Aufgaben der Schutzpolizei gehörte die Regelung des immer stär- ker werdenden Straßenverkehrs. Die Kriminalpolizei verbesserte die Methoden der Spurensicherung und die Erfassung von Straftaten. Präsentiert wurden neue Konzepte der Polizeiarbeit auf der Großen Polizeiaus- stellung in Berlin 1926. Sie diente auch dazu, die Polizei als stets präsenten ›Freund und Helfer‹ darzustellen. 11 Polizeistärke in den Ländern der Weimarer Republik Karte / Berlin, Chris Dormer, envision design Nach dem Ende des ErstenWeltkriegs wurde lange mit den alliierten Regierungen über die zukünftige Stärke der Polizei in den deutschen Ländern verhandelt. Die Interalliierte Militärkommission, die die Abrüstung überwachte, billigte Preußen als dem größten Land 85 000 Mann zu. Preußen stellte damit mehr als die Hälfte der etwa 150 000 Polizeibeamten, die in derWei- marer Republik ihren Dienst verrichteten. 12 »Arbeiter! Arbeiterfrauen! Welchen Weg wollt ihr gehen?« Plakat / Karl Holtz (1899 – 1978) / Dresden, 1921 / Lithografie, 69,3×94,7 cm / Berlin, Deutsches Historisches Museum, P 55/239.1 Armut und Hunger radikalisierten Millionen Deutsche. Eine spontane Streikwelle im mitteldeutschen Indus trierevier schlug im März 1921 in eine Aufstandsbewe- gung um. Sie wurde von 39 Hundertschaften der Polizei blutig niedergeschlagen, offiziell kamen 145 Menschen ums Leben, darunter 32 Polizisten. Auf dem Plakat werden brutale Polizeigewalt und erfolgreicher Aufstand der Arbeiter einander gegen- übergestellt: Schuld am sozialen Elend waren nach Ansicht der Kommunisten die Parteien der bürgerlichen Mitte, zu denen sie auch SPD und USPD zählten. Nur die KPD könne die Arbeiter von der Ausbeutung be- freien und sie vor Polizeigewalt schützen. 13 n »Hamburger Aufstand 1923« Hamburg, 23. Oktober 1923 / Fotoreproduktion / Berlin, ullstein bild, 00719492 Hamburger Polizisten präsentieren stolz zwei Kom munisten, die im Oktober 1923 in Hamburg gefangen genommen wurden. Im November 1923 versuchten Rechtsradikale eine bewaffnete Machtübernahme in München zu erwirken. Trotz der Angriffe auf die Repu- blik von linken und von rechten Kräften dominierte in der Polizeiausbildung das Feindbild der Bedrohung von links. 14 Planspiel aus »Der Kampfeinsatz der Schutz polizei bei inneren Unruhen« Buchbeilage / (Berlin) Charlottenburg: Verlag Offene Worte, 1926 / 23×31,5 cm / Berlin, Polizei bibliothek, D III 4/86 Die Karte stammt aus einem Lehrbuch von Wilhelm Hartenstein, der als Major der Schutzpolizei jene Ein- heiten führte, die beim Hamburger Aufstand im Oktober 1923 gegen kommunistische Aufständische kämpften.
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