Katalog
Kamerad der Bevölkerung« sah. Die von ihm erweiterte einjährige Aus- bildung, die in eine dreistufige Einheitslaufbahn mündete, machte den Polizeidienst zum Lebensberuf; die Kriminalpolizei wurde zudem eigen- ständig. Preußen wurde mit Severings Reformen zum Vorbild für die übrigen Länderpolizeien, doch fand seine Idee einer zivilen, republika- nischen Polizei bei vielen Beamten nur wenig Widerhall. Die Kriminalpolizei sah sich neuen Herausforderungen gegen- über. Zur Kriminalitätsbekämpfung nutzte sie moderne, wissenschaft- lich fundierte Instrumentarien wie Daktyloskopie, Fotografie und umfas- sende Datensammlungen. Dies zog den Wunsch einer zentralen Aus- wertung der gewonnenen Daten nach sich. Bestrebungen, ein zentrales Reichskriminalpolizeiamt zu errichteten, scheiterten jedoch. Dafür über- nahmen die Landeskriminalpolizeiämter die Sammlung und Auswer- tung der Daten und rückten Ideen einer ›vorbeugenden Verbrechens- bekämpfung‹ in den Fokus der Kriminalisten. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise ab 1929 nahm die Zahl der Aufmärsche und Demonstrationen stark zu, die Polizei war im Dauereinsatz. Sie war oftmals nicht in der Lage, die blutigen Zusam- menstöße zwischen Anhängern von NSDAP und KPD zu verhindern. Spätestens mit dem sogenannten Preußen-Schlag vom Juli 1932, als die Reichsregierung Franz von Papens die preußische Regierung absetzte, zeigten viele Polizisten ganz offen ihre Sympathien für die NSDAP. Diese Kräfte erleichterten nach dem 30. Januar 1933 eine rei- bungslose Eingliederung der Polizeiverbände in den NS-Staat.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1