Katalog
Das 14. Jahrhundert 19 eigentlichen Stadt wurde deshalb das Schulthei- ßengericht gebildet – mit vier Schöffen (später sechs) und einem jährlich gewählten Schultheiß. 1354 Am 11. November stiftete der Ratsherr Heinrich Grossner das Regelhaus für Weltleute beiderlei Geschlechts, die nach leicht veränderten Regeln der Franziskaner lebten. Das Haus stand am Korn- markt. In ihm arbeiteten etwa zehn Regelschwes- tern, im Seelhaus zur Krankenpflege vier Schwes- tern vom Franziskanerorden. Die Schwestern hatten kein Gelübde abgelegt und gingen den Mönchen wirtschaftlich zur Hand. Wahrscheinlich gaben sie Mädchen vermögender Eltern auch Schulunterricht. 1355 Im April und Mai trat die Zwickauer Mulde erneut über die Ufer und überschwemmte die Stadt. 1361 Der Rat erließ eine Verordnung, um den großen Aufwand bei Hochzeiten und Kindtaufen beim pa- trizischen Bürgertum einzuschränken. So durften nur die nächsten Angehörigen eingeladen werden, maximal aber 80 Personen, je vier Personen zu einer Schüssel. Zum Polterabend sollten höchstens vier Spielleute auftreten und kein Schmaus statt- finden; zur Kindtaufe nur vier Frauen mitgehen, Geschenke darbringen nur die Mutter, Schwestern und Paten. Bei Übertretung dieser Anordnungen drohten sogar Strafen; bei Hochzeiten fünf Schock Groschen oder fünf Jahre Stadtverweisung, bei Kindtaufen fünf Pfund Heller oder ein Jahr Stadt- verweisung. 1365 In der Stiftungsurkunde für einen Kunigundenaltar der Marienkirche wurde die dortige Kalandstube der gleichnamigen Bruderschaft erwähnt. An der Stelle des Kunigundenaltars richtete die Familie Bose später ihre Familiengruft ein. Die Kaland bruderschaft hatte sich folgenden Aufgaben verschrieben: Seelenmessen für verstorbene Mit- glieder aus ihren Geldmitteln finanzieren, das Kirchenvermögen erhalten und die Armenfürsorge und Krankenpflege gewährleisten. 1369 Westlich der Stadt, auf dem später so bezeichneten Hopfenberg, legte der Rat die Communziegelei mit Lehmgrube an. Am südlichen Rand des Geländes befand sich der Richtplatz der Stadt mit Galgen, das sogenannte Weiße Gericht. n Die Stadt kaufte ein kleines Waldstück, das soge- nannte Haarholz, am Böhmischen Fernhandels- weg, einige Kilometer südlich vor Zwickau. 1375 Am 15. Februar brannten infolge des unbeaufsich- tigten Herdfeuers einer Wäscherin namens Werther fast alle Häuser der Scheergasse ab. 1379 Zwickau baute ein Spital für Aussätzige auf dem rechten Muldeufer oberhalb der Einmündung des Pöhlauer Baches. 1383 Am 13. April brach bei Heinrich Pilgrims in der Korngasse Feuer aus. Dieser sich daraus entwi- ckelnde Stadtbrand zerstörte Korngasse, Niederen Steinweg, Ulmannsgasse, einen Teil der Frauen- gasse, den Pfarrhof und die Marienkirche, nicht aber die nur wenige Meter weiter stehende Rats- schule. Das Ehepaar Lechter, das für den Brand verantwortlich gemacht wurde, endete auf dem Scheiterhaufen. Die Zwickauer Bürger erhielten vom Markgrafen eine dreijährige Steuerbefreiung, um ihre Häuser neu aufbauen zu können. n Für die Ratsschule wurde ein eigenes Schul gebäude am Marienkirchhof erwähnt. n Wohl in diesem Jahr ließ der Markgraf Wilhelm I. die bestehende befestigte Anlage um einen massi- ven Burgturm erweitern, dem bald weitere Bauten folgten. 1384 Der Rat ordnete an, das Baden zur Seelenreini- gung auf drei Tage in der Woche zu beschränken (Dienstag, Donnerstag und Freitag). 1385 Der Naumburger Bischof exkommunizierte die Zwickauer Bevölkerung, weil der Rat die Kapelle der elenden oder schmerzensreichen Maria vor dem Tränktor hatte abreißen lassen. Sie war als Sühne für einen Totschlag errichtet worden, je- doch ohne die Erlaubnis des Rates, der sich damit übergangen fühlte. Der Bischof nahm die Exkom- munikation drei Jahre später zurück. 1386 Zwickau wurde erneut vom Kirchenbann getroffen. Diesmal hatte sich die Stadt am Überfall auf die Burg Rabenstein beteiligt, wobei die Kirche zer- stört worden war. Im Jahr 1389 schickte der Rat den Syndikus Lübich nach Rom, der von Papst Urban VI. die Lösung des Bannstrahls erreichte. 1387 Am 1. Mai brach erneut ein Stadtbrand aus, der die Umgebung der Marienkirche, u. a. die Rats- schule, und die Umgebung der Katharinenkirche vernichtete. Den Bürgern wurde nach dieser Katastrophe ein auf vier Jahre ausgesetzter Steuernachlass gewährt. n Am 28. Mai zerstörte ein weiterer Stadtbrand die Umgebung der Katharinenkirche und die Häuser der Scheergasse. 1392 Die Privilegierte Schützengesellschaft wurde gegründet und schuf sich auf dem Platz vor dem Tränktor einen Schießplatz. 1398 Am 21. Januar besuchte Markgraf Wilhelm I. die Stadt und bestätigte dabei die Stiftung für das Georgenhospital. 1399 In diesem Jahr wurde die Heilig-Geist-Kirche am Reinsdorfer Weg erstmals erwähnt. Sie besaß je einen Nord- und Südeingang und einen kleinen, von einer Mauer eingefassten Friedhof.
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