Katalog

66  Die Chronik der Stadt Zwickau 1700 Die Einführung des Gregorianischen Kalenders in Sachsen führte dazu, dass vom 19. Februar an elf Tage weggelassen wurden. n Die Gasthöfe »Zum Schwarzen Adler« (bestand bis etwa 1780) und »Goldene Sonne« (bis 1738) am Oberen Steinweg (später Nr. 9 und Nr. 18) eröffne- ten. Der neue Gasthof »Zur Grünen Tanne« (bis 1919) am Kornmarkt (später Nr. 4) gehörte dem Advokaten und Stadtvogt Karl Christian Weise. n Der Zwickauer Meister Severin Holbeck baute in die Moritzkirche eine kleine Orgel ein. n Der aus Worms zugezogene Bergfaktor Beutler ließ die im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Obere Mühle – nunmehr als Mittelmühle bezeichnet – neu auf- bauen. n Auf der nordwestlichen Seite des Schießangers wurde für 1500 Taler der Schießangerteich ange- legt. n Am Anfang des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) musste Zwickau dem Kurfürsten Friedrich August I. (der Starke) 14 Rekruten stellen und ausrüsten. n In der Nähe von Färber-Mangelhaus und Oberer Mühle etablierte sich der Bleichhof. 1701 Die Einquartierung dänischer Hilfstruppen unter dem Brigadier von Boyneburg (Februar bis 7. Okto- ber 1701) im Großen Nordischen Krieg belastete Zwickau stark. Kurfürst Friedrich August I. (der Starke) hatte auf der Seite von Dänemark und Russland in den Konflikt mit Schweden eingegrif- fen, musste aber 1706 eine militärische Niederlage hinnehmen. n In Zwickau ließ sich der erste Strumpfwirker nieder. Johann Adam Borklitzsch hatte sein Handwerk in Frankreich gelernt. 1702 Bei der Rekrutierung für den Großen Nordischen Krieg schleppten die Werber auch Bürger gewalt- sam aus ihren Häusern fort. Die Stadt hatte zudem Defensions-, Milizzuschuss- und Quartiergelder zu zahlen. n Mit der Einführung der Akzise (einer Art Verbrauchs- steuer oder auch Binnenzoll) erfolgte für die Torschreiber, die als Kontrolleure fungierten, der Einbau von Wohnungen in die Stadttore. n Friederike Caroline Weißenborn (später Neuberin) zog mit ihren Eltern von Reichenbach im Vogtland nach Zwickau. Sie lebte in ihren Jugendjahren mit ihrem Vater im Gebäude am Oberen Steinweg (später Nr. 27). Hier in Zwickau hatte sie auch erstmals Kontakt zu wandernden Schauspielgesell- schaften. Ihr Vaterhaus in Zwickau im Renais­ sancestil und mit den drei prachtvollen Straßen- giebeln erhielt in den 1780er Jahren die Konzes- sion des Gasthofs »Zur Goldenen Sonne«. (Im Ok- tober 1884 erfolgte der Abbruch des Gebäudes.) 1703 Christian Gotthilf Blumberg, von 1700 bis 1735 Superintendent, Altertumsforscher und Orientalist in Zwickau, stellte unter dem Titel »Deliciae Cygneae« (Geistliche Schwanenlust) ein neues Gesangbuch mit etwa 700 Liedern (einige davon aus eigener Feder) zusammen, das er in Zwickau einführte. n Im Gewandhaus gastierte der Puppenspieler Johann Schmidtmeyer. 1705 Um dem Luxus Einhalt zu gebieten, erließ der Rat eine neue Kleiderordnung, die wegen schlechter Befolgung schon 1726 wiederholt werden musste. n Die wehrfähigen Zwickauer Bürger wurden in 18 Kompanien zusammengefasst und zum Teil in die sächsische Armee eingegliedert. n Johann David Friderici übernahm die Büschel’sche Buchdruckerei, die später an Johann Gabriel Büschel überging. Das 18. Jahrhundert

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