Katalog
68 Die Chronik der Stadt Zwickau Eine kurfürstliche Anordnung hob die Anzahl der Viertelmeister von fünf (im ersten Viertel gab es bereits zwei) auf acht – je zwei pro Viertel – an. n Der Bibliothekssaal der Lateinschule erhielt einen Anbau (Fertigstellung 1712), der zudem seit 1735 die Amtswohnung des Konrektors und ab 1839 die des Rektors enthielt. 1711 Am 21. März brannte das Brauhaus von Zeidler in der Korngasse ab. n Die Tuchmacher vollendeten den Wiederaufbau der Brett- und der Papiermühle. 1712 Johann David Friderici kaufte die Büschel’sche Druckerei und verlegte sie fünf Jahre darauf in den Niederen Steinweg. 1713 Im Januar traten die Hildburghausener Hofschau- spieler in der Stadt auf. n Wegen der großen Armut in der Stadt mussten die Steuern teilweise gewaltsam eingetrieben werden. 1714 Die Postmeisterei wurde vom Gasthof »Zur Golde- nen Gans« in das Haus am Markt (später Nr. 5) verlegt. 1715 Im August trat die Schauspieltruppe von Christian Spiegelberg und David Holzward im Gewandhaus auf. Friederike Caroline Weißenborn (seit 1718 Neuberin) kam hier erstmals intensiv mit der Schauspielkunst in Berührung, trat aber in Zwickau nie selbst auf. Zwei Jahre später verließ sie mit dem Reinsdorfer Bauernsohn Johann Neuber und dem Weißenborner Predigersohn Johann Gottlieb Förster die Stadt, um sich dieser Truppe anzu- schließen, nachdem ein erster Fluchtversuch aus dem elterlichen Haus bereits vorher gescheitert war. Förster gründete 1722, Neuber und Weißen- born 1725 eigene Theatertruppen. n Der Rat erwarb die neun Richter’schen Teiche in Weißenborn für 1850 Gulden vom Kaufmann Karl Gottfried Richter. n Am Schönen Anger wurde ein hölzerner Röhren- kasten aufgestellt. n In der Innenstadt Zwickaus standen 583, in den Vorstädten 74 Häuser. 1716 Die jetzt steinerne Brücke am Oberen Tor wurde nach Plänen des Landbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann gebaut. Der Rat hatte 1712 beschlos- sen, die hölzernen Stadttorbrücken durch steinerne zu ersetzen. Die Klöppelbrücke vor dem Oberen Tor entstand 1716, die Niedertorbrücke 1719 und die Frauentorbrücke 1726 (Abb. 37). 1717 Im Juni rückte der Stab mit eineinhalb Kompanien des Garde-Infanterie-Regiments von Dietmar in die Stadt ein. n Im September erließ der Rat eine neue Brauordnung. n Am 4. Dezember explodierte bereits zum dritten Mal die Beutler’sche Pulvermühle, die danach einging. n Kurfürst Friedrich August I. (der Starke) unter- stellte den Zwickauer Bergbau dem Bergamt Schneeberg, das über den Betrieb des Steinkoh- lenbergbaus die polizeiliche Aufsicht führte. n Die Zwickauer Weber erhielten für den Garnmarkt in Zwickau das Bannrecht. 1718 Die Garnison des Regiments von Dietmar erhielt eine Ablösung durch zwei Kompanien des 1. Regi- ments der Leibgarde von Fitzner. n Johann Friedrich aus Altenburg eröffnete eine Druckerei, die bis 1792 existierte. 1719 In die Garnison zog eine Kompanie mit dem Stab des Infanterie-Regiments von Heynitz. n Die hölzerne Brücke vor dem Niederen Tor wurde aus Stein neu erbaut. n Der Chemnitzer Unternehmer Hertel errichtete in Zwickau eine Niederlassung, um hier 300 Spinner zu beschäftigen. n Johann Friedrich aus Altenburg etablierte eine zweite Druckerei in der Stadt. Nachdem sie an- fangs in gemieteten Räumen untergebracht war, zog sie 1724 in die Lange Gasse. Im Jahr 1735 kam die Druckerei am Klosterplatz unter, 1792 ging sie nach zwischenzeitlich dreimaligem Besitzerwechsel wieder ein. n Zur Förderung der Leinwand-Barchent- und Cannevas-Weberei ließ der Rat eine Niederlage errichten. Diese Manufaktur beschäftigte 1720 etwa 300 Spinner. 1720 Am 1. Mai erfolgte nach dreijähriger Bauzeit die Einweihung des sogenannten Reichen Hospitals (auch Hospital St. Georg) in der Langen Gasse. n Mitte Juli richtete ein Unwetter mit Wolken brüchen in der Stadt und der Umgebung bis Wolkenstein schwere Schäden an. 1721 Am 23. Juni drang bei einem Hochwasser der Zwickauer Mulde das Wasser bis zur Burggasse vor. Neben anderen Häusern wurden die Walk- und die Schlossmühle beschädigt und wieder Teile des Flößholzes weggeschwemmt. Die Tuchmacher ver- kauften ihre Papiermühle, die sie erst vor zehn Jahren neu errichtet hatten. 1722 Die Neuberin besuchte anlässlich des Todes ihres Vaters noch einmal die Stadt Zwickau. n Nach der erneuten Verlegung der Post in den Gasthof »Zur Goldenen Gans« verblieb sie bis 1804 dort. n
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