Katalog
10 Die Chronik der Stadt Zwickau Die Zeit vor Christus Um 400000 v. Chr. In der Nähe der heutigen Schedewitzer Brücke lag die südliche Grenze der Gletschermassen am Ende der sogenannten Mindel-/Elster-Eiszeit. Um 80000–60000 v. Chr. Ein französischer Kriegsgefangener fand im Jahr 1916 in einer Lehmgrube der Ziegelei Wolf an der Reichenbacher Straße ein Faustkeilblatt, dessen Alter auf über 60000 Jahre geschätzt wurde und damit in die Endphase des Alt-Paläolithikums (2,5 Mio.–40000 v. Chr.) fiel. Dieser Fund ist zu- gleich der älteste Nachweis menschlicher Anwe- senheit im Zwickauer Raum. Um 10 000–8000 v. Chr. Wandernde Jäger- und Sammlersippen der Magda- lenienkultur (so genannt nach einem Fundort in Frankreich) hinterließen am Ende der Weichsel- Eiszeit einzelne Artefakte aus Feuerstein bzw. Quarzit (gefunden auf Schmölln-Werdauer Gebiet), die die menschliche Existenz im Zwickauer Raum für diese Zeit belegen. Einzelne Geräte aus grauem Feuerstein, wie verschiedene Stichel und Kratzer, die südwestlich von Hartenstein in einem Bogen der Zwickauer Mulde gefunden wurden, datieren ebenfalls in die Spätphase des Paläolithikums. Um 8000–4500 v. Chr. Eine gelochte Spitzhaue (gefunden im Wald bei Langenbernsdorf) kann als Nachweis zeitweiser menschlicher Niederlassungen für das Mesolithi- kum (8000–4500 v. Chr.) gelten. Das etwa 25 cm lange Werkzeug besitzt ein Schaftloch, das nicht gebohrt, sondern ausgepickert wurde. Um 4000 v. Chr. Die Anwesenheit von Menschen aus der Kultur der Bandkeramik (4500–3600 v. Chr.), die ihren Namen den bänderartigen Verzierungen der Ton gefäße verdankt, konnte anhand einer aufgefun- denen Siedlung nordwestlich von Crimmitschau (Frankenhausen-Gosel) nachgewiesen werden. Einzelne Fundstücke, insbesondere Steinbeile, gehören periodisch ebenfalls in das Neolithikum (4500–1800 v. Chr.). Um 1100 v. Chr. Das Hügelgrab von Stenn (1939 gefunden auf dem Höhenzug zwischen Planitz und Stenn) datiert ins 12. bzw. 11. Jahrhundert v. Chr. Seine reiche Aus- stattung lässt auf die Bestattung einer hochge- stellten Person schließen. Von den verschollenen Originalen, wie Bronzeschwert (Dreiwulstschwert), Armringen, Lappenbeil u. a., existieren heute nur noch Gipsabgüsse. Von Erstgenanntem wurde im Städtischen Museum eine Kopie angefertigt. n In der Gärtnerei Steinbach in Crossen wurden 1923 Scherben mit Fingertupfenverzierung gefunden, die in die Bronzezeit (1800–700 v. Chr.) gehören. An gleicher Stelle konnten 1964 weitere Scherben dieser Zeitstellung geborgen werden. Zudem wurde eine bronzezeitliche Siedlung in Schönau im Land- kreis Zwickau nachgewiesen. Um 600 v. Chr. Auf der sogenannten Eselswiese an der Zwickauer Mulde (unweit des Röhrenstegs) wurde 1914 eine kleine, mit zwei gegenständigen Ösenhenkeln verzierte Amphore aus der Billendorfer Kultur (so genannt nach einem Fundort in Polen) entdeckt, die germanischen Stammesverbänden der vorrömi- schen Eisenzeit (800–50 v. Chr.) zuzuordnen ist. Der Fund dokumentiert aber keinesfalls Verbindun- gen oder Anknüpfungspunkte zu vorhergehender menschlicher Anwesenheit im späteren Zwickauer Gebiet. Alle bisherigen Aufenthalte von Menschen stehen einzeln für sich. Eine durchgehende konti- nuierliche Besiedlung trat erst im Mittelalter ein.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1