Katalog

Mehrspartenhäuser wie das Landesmuseum Hannover sind selten: Zwar werden in manchen Museen verschiedene Sammlungen unter einem Dach gezeigt, aber die übergreifende Verbin- dung von Kunst und Natur ist höchst ungewöhnlich, auch im internationalen Kontext. Zudem beherbergt das Museum seit vielen Jahren ein Vivarium – das führte bei manchem Besucher zum spöttischen Ausspruch, was denn die Fische mit der hohen Kunst zu tun hätten. Anders ausgedrückt werden Mehrspartenhäuser oft negativ beschrieben, als Gemischtwaren- läden, die keine klare Ausrichtung hätten und daher Spezialmuseen unterlegen seien. Die daraus resultierende Forderung nach Abtrennung der einzelnen Bereiche steht jedoch im Widerspruch zum Humboldt’schen Gedanken eines Weltmuseums. Anders als die Sammlungen in Berlin oder Dresden entstand das hannoversche »Museum für Kunst und Wissenschaft« aus bürgerlichen Wurzeln: Die »Naturhistorische Gesellschaft Han- nover«, der »Historische Verein für Niedersachsen« und der »Verein für die öffentliche Kunst- sammlung« hatten 1852 beschlossen, ihre Sammlungen zusammenzuführen. 1856 konnte sich dann das neue Museum in der Sophienstraße 2, dem heutigen Künstlerhaus, präsentie- ren, bis es 1902 als Provinzialmuseum seinen neuen Standort am Maschpark erhielt. Seit Anbeginn ein Mehrspartenhaus, ermöglichte der Neubau eine Gliederung in drei Abteilun- gen: zum einen der historischen mit Sammlungen der Archäologie, aus der Geschichte Han- novers, einer Münzsammlung und völkerkundlichen Exponaten, dazu dem naturhistorischen Teil und schließlich der Kunstabteilung. Mit seinem Namen war das »Museum für Kunst und Wissenschaft« schon zu seiner Grün- dungszeit den älteren königlichen Kunst- und Wunderkammern weit voraus, heute mutet dieser geradezu zukunftsweisend an. Schon für Wilhelm Leibniz, den großen Aufklärer des 17. Jahrhunderts, waren Museen »Theater der Natur und Kunst«, Räume, in denen sich Kunst und Wissenschaft begegnen. Der Kunstwissenschaftler Horst Bredekamp erkennt heute darin nicht nur eine historische Dimension, sondern sieht sogar »Kunst und Wissenschaft in einer produktiven Laborsituation« als ein »Motto für das kommende Jahrhundert«. Museen verkörpern und konservieren also nicht nur die Welt, sondern stehen auch außerhalb von Zeit und Raum. Damit bedingen sich innen und außen: Es fließt von außen beständig in sie hinein, während die Museen innen ein Abbild der Welt sind. Wo könnte diese Aufgabe besser gelöst werden als in einem Haus mit fünf Sammlungen, der Landesgalerie, dem Münz- kabinett, der Naturkunde mit einem Vivarium, der Archäologie und der Völkerkunde? Wo kann sich das WeltenMuseum als Abbild der Welt vollständiger präsentieren als in einem Haus, das nicht nur Museum für Kunst und Naturkunde wie andere ist, sondern als eines der zentralen Museen Niedersachsens zur Identität der Bewohner des Landes beizutragen hat? Was ist eigentlich ein WeltenMuseum? katja lembke

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