Katalog
Frankfurt als ›Metropole‹ in der Mark Brandenburg 193 Christi, umgeben von spätgotischem Astwerk- und Granat apfelornament. Die Leidenswerkzeuge – u. a. die Geißelsäule, das Gewand Christi mit denWürfeln, die Lanze und die Stange mit dem Essigschwamm– erinnern an das Leiden und Sterben Christi und das von ihm vergossene Blut. Grafische Blätter mit den Arma Christi waren weit verbreitet und könnten auch als Vorbilder für die Darstellungen auf dem Frankfurter Kelch gedient haben. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er in Frankfurt (Oder) hergestellt worden ist. Das Stück weist Zei- chen späterer Veränderungen auf, z. B. setzt der Nodus ohne überleitendes Schaftstück direkt über dem Fuß an. CA 9 A. F. Kriel Taufanne. 1713/14 Silber, gegossen, getrieben, graviert, punziert, H 30,4 cm Inschrift: »C. NÖHT / VERWIT: / TIBTE STO / LT.ZNERIN, / 1713«; Beschauzeichen: Frankfurt (Oder) mit Jahreszahl »1714«; Meistermarke: »A F KRIEL« sowie preußische Steuerbefreiungsmarke für Kirchensilber von 1809 Frankfurt (Oder), Ev. Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) – Lebus, Inv.-Nr. 41/050_0053.2; St. Gertraud, bis 1945 St. Marien Lit.: Jung 1912, S. 79, Abb. 56 Die Taufkanne entspricht dem besonders bei Nürnberger und Augsburger Silberarbeiten beliebten Typus der Helmkanne. Diese Bezeichnung leitet sich ab von der Form des Gefäßes, die – bei den Vorbildern noch deutlicher als bei dem Frank- furter Beispiel – an einen umgedrehten Helm erinnert. Cha- rakteristisch sind der auf einem runden Fuß ruhende, am oberen Rand ausgestellte Gefäßkörper, der hoch geschwun- gene Henkel und die Maske unter dem Ausguss. Die Frank furter Kanne zeigt einen reichen Dekor aus Blattzungen, Eierstabprofilen und Akanthusranken. Sie ist Teil einer baro- cken Taufgarnitur, zu der auch eine repräsentativ gestaltete Schale mit dem Relief der Taufe Christi gehört. Ovale Kartu- schen auf beiden Stücken nennen den Namen der Stifterin. Kannen wie diese wurden auch im profanen Bereich, etwa als Teile von Waschgarnituren, benutzt. Aus der vielseitigen Verwendbarkeit mag sich erklären, dass die Frankfurter Kanne keine sakrale Ikonografie aufweist. Ihr Hersteller, der Frankfurter Goldschmied A. F. Kriel, konnte so denselben Kannentyp verschiedenen Zwecken anpassen. Das Stück zeugt ebenso wie die Greiffenpfeil’schen Leuchter (Kat.-Nr. 83) vom Weiterleben der seit dem Mittelalter bedeuten- den Frankfurter Goldschmiedetradition. CA 10 Stoffstück und Fragment einer Kaufmannsrechnung. 1575 Papier, broschiertes Gewebe (vermutlich Seide in Atlasbindung auf Köperbindung), 6 × 14 cm in: Martin Heinsius, Annales oder Jahrbücher, p. 167 Frankfurt (Oder), STA FF, Sign. BA I, Abt. XX, Nachlass Martin Heinsius, Bd. 1 Lit.: Spieker 1853, S. 172 Die Gewandschneider gehörten als Händler kostbarer Stoffe im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zu den reichsten Kaufleuten Frankfurts, wovon auch ihre Stiftungen für die Marienkirche und der von ihnen finanzierte Bau der Gertrau- denkirche zeugen. Originale Stoffe aus dieser Zeit haben sich vor Ort nicht erhalten, bis auf ein kleines, hier gezeigtes schwarzes Fragment mit weißem, floralem Muster. Dieses hat Mitte des 17. Jhs. der Frankfurter Stadtpfarrer Martin Heinsius (amt. 1646–1667) seinen Annalen hinzuge- fügt, zusammen mit dem Ausschnitt einer Rechnung. Ein ungenannter Kaufmann hatte am Pfingstsonntag 1575 seine Bücher revidiert und die noch einzufordernden Schulden in 9
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