Katalog
192 Museum Viadrina 7 Innungsordnung der Goldschmiede. Frankfurt (Oder), 1. Februar 1408 in: Teymlers Kopialbuch, fol. 23v/24r (Anhang zum Stadtbuch von 1516; vgl. Kat.-Nr. 72) Pergamenthandschrift Frankfurt (Oder), STA FF, Sign. BA I., I, Gr. 2°:01, S. 179 f. Ed.: CDB I 23, S. 149, Nr. 206 Lit.: Lambacher 2016, S. 158 f. Die Goldschmiederolle der Stadt Frankfurt (Oder) ist nicht nur das älteste derartige Dokument in der Mark Brandenburg, sie zählt auch zu den ältesten bekannten Goldschmiedeord nungen im deutschsprachigen Raum. Sie regelt den Feinge- halt des Silbers der »Kelchen, Koppen und Schalen« sowie den etwas geringeren Silbergehalt von Gürteln, Knöpfen und Ähnlichem. Was golden erscheinen solle, sei zu vergolden, nicht zu färben – sei es nun für den Verkauf in der Stadt oder außerhalb bestimmt. Die Kontrolle darüber wurde zwei vom Rat benannten Goldschmiedemeistern übertragen, die für die Beschau aller in der Stadt hergestellten Goldschmiede- arbeiten zwei bis drei Stunden pro Woche aufwenden soll- ten. Auch die von auswärts auf die Frankfurter Märkte ge brachten Produkte mussten den Qualitätskriterien entspre- chen. Zwar kennen wir keine nachweislich im 14./15. Jh. in Frank- furt entstandenen Goldschmiedearbeiten, jedoch sind für die Jahre 1351 bis 1354 die Namen von allein drei Frankfurter Goldschmieden überliefert, denen in landesherrlichen Urkunden Vormundschaften und Einkünfte verliehen wurden (CDB I 1962, Nr. 69, 73, 83, 96). Dies sowie die frühe Innungs- ordnung von 1408 mit der Anordnung wöchentlicher Be schauzeiten durch zwei Meister deutet auf eine große Zahl entsprechender Werkstätten in Frankfurt hin. Offenbar war die Stadt ein Zentrum des Goldschmiedehandwerks und des Handels mit entsprechenden Gütern, was die Bedeutung Frankfurts als regionales und überregionales Handelszen trum unterstreicht. CA 8 Abendmahlskelch mit Gravuren der Arma Christi. Um 1500 Silber, gegossen, getrieben, ziseliert, vergoldet, Zellen- schmelz; Cuppa beweglich, Goldauflage im Bereich der Blattwerkspitzen des Cuppakorbes stark abgerieben H 17,5 cm Inschrift auf den Rotuli des Nodus: »ihs«, »EMIMA« (1912 gelesen: »EMJEM«); auf dem Fuß: »ihs« Frankfurt (Oder), Ev. Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) – Lebus, Inv.-Nr. 41/050_0041.1; St. Gertraud, bis 1945 St. Marien Lit.: Jung 1912, S. 76 f., Abb. 55 Der Abendmahlskelch aus der Frankfurter Marienkirche ist ein sprechendes Beispiel spätmittelalterlicher Passions- frömmigkeit. Er steht auf einem Sechspassfuß mit breitem Standring und durchbrochener Zarge. Der relativ große, aus Blattzungen mit maßwerkartigen Durchbrüchen bestehende Nodus weist in drei seiner mit Buchstaben versehenen Rotuli Reste von grünem Zellenschmelz auf. Die Flächen des steil ansteigenden Fußes zeigen gravierte Darstellungen der Arma 8
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1