Katalog
Frankfurt als ›Metropole‹ in der Mark Brandenburg 191 typen und expressiv schreiende Schergen. Es gibt auch Paral- lelen in modischen Details: so die Schnabelschuhe mit gel- bem Futter, die Gewänder mit Puffärmeln, die um die Taille gewundenen Tücher und die variationsreichen Kopfbede- ckungen. Charakteristisch für den Meister der Guhrauer Pas- sion ist auch die Vorliebe für gebrochene Töne, z. B. Lilarosa, sowie kontrastierende Farben. Das entspricht der Farbge- bung der Frankfurter Tafel. So ist zu vermuten, dass diese Anfang des 16. Jhs. im Umkreis der Maler entstand, die in Breslau zahlreiche für den Export bestimmte Flügelretabel schufen. In Frankfurt gehört die Tafel zu den Werken, die die engen geografischen und wirtschaftlichen, aber auch politi- schen Bezüge der Stadt nach Schlesien und besonders Bres- lau illustrieren (s. auch Kat.-Nr. 187 f.). AP Bedeutende Gewerke Unter den Frankfurter Gewerken ragen die um 1260 erstmals erwähnten ›Viergewerke‹ besonders hervor – ein Zusammenschluss aus den Zünften der Bäcker, Tuchmacher, Kno- chenhauer und Schuhmacher. Lange Zeit durften sie allein Zünfte bilden und setzten schon in der Frühzeit der Stadt ein Mit spracherecht im von Kaufleuten dominierten Rat durch. Um 1300 hatten die Gewand- schneider das alleinige Recht auf den Verkauf von Tuchen erkämpft und damit die Tuch macher aus dem Handel verdrängt. Darüber hinaus fungierten sie vorrangig als Groß- händler für weitere Produkte des Fernhandels – Gewandschneider wurde bald als Synonym für Kaufleute gebraucht. Diese hatten die Mehrheit im Rat und somit großen Einfluss in der Stadtregierung. Unter den weit mehr als 30 handwerklichen Berufen, die im mittel- alterlichen Frankfurt nachgewiesen werden konnten, spielten neben den Viergewerken die Goldschmiede eine wichtige Rolle. Sie fertigten schon in der Frühzeit der Stadt für Lokalhandel und Export und stellten Rats- mitglieder. Ihre Vermögensverhältnisse waren im 14. Jahrhundert mit denen mancher Kaufleute vergleichbar. MKB
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