Katalog

190 Museum Viadrina 5 Wolfgang Jobst Entfernungstafel. Frankfurt (Oder), Johann Eichorn, 1562 (S. 32, Abb. 3) kolorierter Kupferstich, 38 × 32 cm Frankfurt (Oder), Museum Viadrina, Inv.-Nr. IV/K2-811 Lit.: Stopp 1977, S. 99 f.; Best.-Kat. Frankfurt (Oder) 2003, S. 78; Berndt 2007, S. 149, 205; Heimann/Neitmann 2014 Die von dem an der Viadrina-Universität lehrenden Frankfur- ter Medizinprofessor Wolfgang Jobst (1521–1575) erstellte Entfernungstafel entspricht dem Typus der Meilenscheibe. Im Zentrum steht eine Darstellung der Stadt Frankfurt mit der Marienkirche und dem ehem. Kartäuserkloster. Darum sind konzentrische Kreise gezogen, die wiederum durch Linien in Sektionen eingeteilt sind. Diese geben Routen zu 15 Städten an, darunter Magdeburg, Hamburg, Stettin, Breslau und Nürnberg, und sind auf der Scheibe entsprechend der Him- melsrichtungen geordnet. Von innen nach außen gestaffelt finden sich auf dem Weg liegende Orte, eine Zahl rechts neben dem Ortsnamen gibt jeweils die Entfernung zum vor- herigen an. Die Zahlen links neben den im vorletzten Ring eingetragenen Zielorten nennen die Gesamtentfernung von Frankfurt (Oder), die Zahlen im äußeren Ring die Entfernun- gen zwischen den jeweiligen Städten. Ein Eintrag am unteren Rand des Blattes weist auf die drei Frankfurter Jahrmärkte hin. Die Meilenscheibe gibt einen anschaulichen Eindruck vom Verkehrswegenetz des 16. Jhs. und ist ein Beleg für die wichtige Stellung von Frankfurt (Oder) – das in Meilenschei- ben anderer Städte wiederum als Ziel eingetragen ist – im europäischen Handelsnetz. CA 6  Unbekannter Maler aus dem Umkreis des Meisters der Guhrauer Passion »Dornenkrönung Christi«, Teil eines Retabels (?). 1500–1510 Tempera und Öl auf Holz, 111 × 88 cm Inschrift auf der Rückseite: »RESTAURIERT: 1956 von / GF. v. d. Heyd v. Koppingen« Frankfurt (Oder), Ev. Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) – Lebus, Inv.-Nr. 41/050_0005; St. Gertraud, bis 1945 ehem. Franziskanerklosterkirche Lit.: Jung 1912, S. 33; BKB I, S. 456; Knüvener 2011, S. 208–209, Abb. 553; Suckale 2011, S. 126, Abb. 6 Die noch in ihren mittelalterlichen Rahmen gefasste Tafel war vermutlich Teil eines Retabels. Der vergoldete Hintergrund weist darauf hin, dass das Gemälde zu einem Passionszyklus gehörte, entweder auf der Festtagsseite oder der ersten Wandlung. Jung vermutet eine Zugehörigkeit zu dem 1674 erneuerten Hochaltar der Franziskanerklosterkirche, wo die Tafel sich noch 1912 befand. Das sehr qualitätvolle Gemälde wurde bereits verschiedentlich mit der schlesischen Kunst in Verbindung gebracht. Peter Knüvener weist auf Ähnlichkeiten der Tafel mit einem Altarflügel aus der Kürschnerkapelle in der Breslauer Magdalenenkirche hin und vermutet, dass die Tafel in den 90er-Jahren des 15. Jhs. in Breslau gearbeitet wurde. Robert Suckale schreibt das Gemälde dem Umkreis des Meisters der Jahreszahlen zu. Dieser zählt zu einer Gruppe von schlesischen Werkstätten, die mit der Nürnber- ger Kunst der Zeit vertraut waren und zu der auch der Meister des Gießmannsdorfer Altars (Retabel aus Züllichau 1499, Kalisz 1510, Kosten 1507) sowie der Meister der Guhrauer Passion (Retabel aus Guhrau 1512 und Görlitz 1511) gehörten. Sie schufen eine verwandte, bei genauerer Betrachtung jedoch heterogene Gruppe von Passionsdarstellungen, de­ nen auch die Frankfurter Tafel zugeordnet werden kann. Diese ist am nächsten mit den Flügelbildern des Guhrauer Altars (1512) verwandt. Das betrifft stilistische und formale Analogien wie die überschlanken Körperproportionen und dynamischen Posen, aber ebenso schnurrbärtige Gesichts­ 6

RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1