Katalog
Frankfurt als ›Metropole‹ in der Mark Brandenburg 195 Höhe von über 14000 Talern zusammengestellt – was kaum glaublich erscheint. Unter den Schuldnern befand sich auch ein Mitglied der Familie Eichorn (10 Taler). Heinsius beklagt auf Lateinisch den Geiz des Kaufmanns, der an einem wichtigen Feiertag nichts Besseres zu tun gehabt hatte, als sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen. Gerade an Pfingsten hätte er sich lieber um sein Seelenheil bemü- hen sollen. In einem deutschen Kommentar geriet er ins Rei- men: »Ist er seelig worden, ich gan eß ihm herzlich woll. Ist ihm aber nicht wol, so hat er ihm dz leid gethan, die Zeit geleget übel an, den grösten Sabbath fahren lahn, sich nach den schulden vmbgethan, und nur begehret Geld zu han, des er dort nicht mehr brauchen kan. Nim hier doch ein Exempel an, vnd sich dich für[,] lieber Kauffman.« GK 11 Johann Friedrich Wilke Taufschale der Frankfurter Gewandschneider. 1821 Silber, getrieben, poliert, graviert, Dm 41,4 cm Beschauzeichen: Frankfurt (Oder); Meistermarke: »WILKE« Inschrift im Spiegel: »DIE GEWANDSCHNEIDER ZU FRANK- FURT a/O DEN 1 TEN IULI 1821«; auf der Fahne: »Joh. Daniel Busch/Kauffmann = Altermann; Georg Sigismund Deutsch/ Kauffmann; Carl Christian Firnhaber / Kauffmann; Gottf. Christoph Benckert / Comertzigen=Rath« Frankfurt (Oder), Ev. Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) – Lebus, Inv.-Nr. 41/050_0060; St. Gertraud Lit.: Frankfurter Patriotisches Wochenblatt 27, 1821, S. 231 f.; Jung 1912, S. 44 Die Taufschale aus poliertem Silber mit schmaler, von einer Perlstabkante eingefasster Fahne ist tief gemuldet mit fla- chem Spiegel. Dieser zeigt in der Mitte eine kleine gravierte Darstellung der alten Gertraudenkirche. Zu erkennen ist die charakteristische Baugestalt der nach Zerstörung im Dreißig- jährigen Krieg barockwieder errichteten und 1662 geweihten Kirche. Die umlaufende Widmung nennt die Frankfurter Gewandschneider als Stifter der Schale. Auf die Fahne sind in großen geschwungenen Schriftzügen die Namen des letz- ten Ältermanns der Gewandschneidergilde und dreier weite- rer Kaufleute graviert. Die Stiftung erfolgte in Zusammen- hang mit der Übergabe der baufälligen Gertraudenkirche an die Stadt Frankfurt und der Auflösung der bedeutungslos gewordenen Gilde. Diese stellte sich mit der Stiftung der Taufschale und der zugehörigen, heute verlorenen Taufkanne ein letztes Mal in eine über 550-jährige, auf die Gründung der Kapelle St. Gertraud, Urban und Theobald 1368 durch die Frankfurter Gewandschneider zurückgehende Tradition. CA 11
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