Katalog
Frankfurt als Metropole in der Mark Brandenburg V. Bürger – Stadt – Universität – Kirche Die Stadt in der Kirche Die Pfarrkirche St. Marien war im Mittelalter geistliches Zentrum der Stadt Frankfurt und ein Mittelpunkt städtischen Lebens. Das Pa tronat hatte zwar der Kurfürst inne, die Stadt übte jedoch schon in vorreformatorischer Zeit die Aufsicht über die Kirchenfinanzen und damit z. B. über Baumaßnahmen aus. Dies bereitete ebenso wie das grundlegende Verständnis von der Stadt als Sakralgemein- schaft die Reformation vor, in der die Stadt das Kirchenregiment übernahm und Kirche und Stadt auf neue Weise zusammenwuchsen. Mit der Gründung der Universität wurde die Marienkirche auch zu einer Universitäts- kirche. Für einige Zeit kam der Stadtpfarrer stets aus den Reihen der Professoren, die Theo- logische Fakultät war spätestens ab 1540 an seiner Berufung beteiligt. Mit der Reformation wandelten sich Frömmigkeit und Liturgie, das Bild der Marienkirche änderte sich jedoch nur langsam. Das städtische Leben und die gesellschaftliche Struktur der Stadt spiegelten sich im Kirchenraum auch in bedeutenden Kunstwerken, die von Bürgern, Pfarrern, Professoren und auch den Landesherren gestiftet wurden: Altäre und ihr Schmuck, Epitaphien oder auch Bücher für die bedeutende Kirchenbibliothek. GK/MD Der Großteil der Nebenaltäre in der Marien kirche wurde von Bürgerfamilien oder Gilden wie den Gewandschneidern und den Knochen- hauern gestiftet und mit liturgischem Zubehör bis hin zu Schnitzaltären ausgestattet. Gilden waren im Mittelalter nicht nur berufliche Zusammenschlüsse, sondern – ebenso wie Bruderschaften – religiöse Gemeinschaften, innerhalb derer man für das Seelenheil der Mitglieder sorgte. Dafür hatten die Messen und Gebete an Altären entscheidende Bedeutung. Diese dienten, ebenso wie die Stiftung von Kunstwerken, auch der Repräsentation an einem für die städtische Gesellschaft zentralen Ort. Nach der Reformation übernahmen u. a. Gestühle die Aufgabe der Aneignung des Kir- chenraums: Jede Gilde, jede wichtige Familie hatte hier ihren festgelegten Platz. Weiterhin stiftete man auch Ausstattungsstücke wie Epitaphien oder Altargeräte, um in der gottes- dienstlichen Gemeinschaft über den Tod hinaus präsent zu sein. Vor und nach der Reformation waren städtische Beamte für die Verwaltung der Finanzen der Stadtpfarr kirche verantwortlich. Dazu gehörten auch die hier gesammelten Almosen, die ein Grund bestandteil der städtischen Sozialfürsorge waren. GK/MD 244 Museum Viadrina
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1