Katalog
Bürger – Stadt – Universität – Kirche 245 70 Missale für den Altar der 10000 Ritter. 2. Viertel 14. Jh. Pergament, Einband Leder auf Holz, 34,5 × 26 cm Frankfurt (Oder), Marienbibliothek, Sign. T 328/alt M 8 Lit.: CDB I 23, S. 18 f., 198; Grimm 1940, S. 11, Nr. 4; Kilian-Buchmann 2008, S. 270; Kemmether 2015 I, S. 23–25; Nickel 2015, S. 34 Das Messbuch enthält die vom Priester zu sprechenden bzw. zu singenden Teile der Messe, die imVerlauf des Kirchenjah- res teilweise variieren. Das vorliegende Missale gehörte, wie ein Eintrag aus der Zeit um 1514 beweist, zum Altar der 10000 Ritter, geweiht den als christliche Märtyrer im 2. Jh. gestorbenen Angehörigen einer römischen Legion. Dieser Altar wurde am 1. Februar 1323 von Johann von Lichtenberg und seinem Sohn Henning in der Marienkirche gestiftet. Nachdem die wichtigsten Utensilien für die Messfeier, d. h. Kelch und Patene, vorhanden waren, wurde wohl gegen die Mitte des 14. Jhs. das Messbuch an geschafft, in dessen Kalender der Todestag des Stifters am 7. August 1340 vermerkt ist. Das Missale ist relativ schlicht ausgestattet, als künstleri- scher Schmuck dient neben einigen blau-roten Initialen im Filigransstil lediglich eine Miniatur mit der Kreuzigungsdar- stellung auf Goldgrund am Beginn des Kanons, die eine nähere Datierung ermöglicht. Dem Missale liegt ein kleines Pergamentblatt bei, das als Vorläufer der späteren Kanonta- feln angesehen werden kann. Darauf sind die Einsetzungs- worte Jesu zum Abendmahl aufgezeichnet, die der Priester bei der Konsekration von Hostie und Kelch zu sprechen hatte. Dieser in großen Buchstaben geschriebene Text stand dem Priester vor Augen, da er sich bei der Wandlung nicht versprechen durfte. Am Ende ist auf einer freien Seite im Jahr 1423 von dem damaligen Altaristen und Inhaber der Pfründe, Nikolaus Messo, das Register der damaligen Einkünfte des Altars ein- getragen worden. Das Patronat über den Altar fiel nach dem Aussterben der Familie Lichtenberg an den Rat und wird noch im Visitationsregister von 1540 erwähnt. Das Missale war, wie die starken Abnutzungsspuren bezeugen, bis ins 16. Jh. in Gebrauch. Es dürfte eines der ältesten erhaltenen Ausstat- tungsstücke der Marienkirche sein. GK 70
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1