Katalog

Bürger – Stadt – Universität – Kirche 247 imSpätmittelalter sehr vermögend gewesen sein, da sie auf- fallend oft als Stifter in Erscheinung traten. Auch die Schüt- zengilde stiftete im 15. Jh. einen Altar. Die Gewandschneider- gilde war zudem eng mit der Gertraudenkirche verbunden, da sie die Kapelle St. Gertraud im 14. Jh. gegründet und aus- gestattet hatte. HEB 72  Pietro Pileo di Prata, Titularkardinal von St. Praxedis in Rom Ablassurkunde für die Marienbruderschaft Frankfurt (Oder). Prag, 22. November 1381 Pergamenturkunde, 30 × 42 cm; Siegel fehlt Frankfurt (Oder), STA FF, Sign. BA I, Urkunden, UM 3, 1381 22. November Ed.: CDB I 23, S. 122 f. Lit.: Reuß 1940, S. 5–119 Mit einem Ablass wurden den Gläubigen von der Kirche auf- erlegte Bußleistungen erlassen. Erteilt wurden Ablässe durch Päpste, Kardinäle oder Bischöfe. Aussteller der Urkunde für die Frankfurter Altaristen- oder Marienbruderschaft (auch Liebfrauenbruderschaft) war Kardinal Pietro Pileo di Prata, päpstlicher Legat unter Urban VI. in Deutschland und Böhmen (amt. 1378–1381). Dieser bestätigte der Bruderschaft auf deren Wunsch den Ritus, nach dem die Mitglieder zu Ehren Mariens in der Pfarrkirche zu Frankfurt viermal im Jahr Vigi- lien und Messen für die Verstorbenen lasen. Zugleich verlieh er den Mitgliedern, die an einem der Gottesdienste teilnah- men oder sich an der materiellen Ausstattung der Marienbru- derschaft beteiligten, einen 100-tägigen Ablass. Die Marienbruderschaft war im späteren 14. Jh. entstanden und erhielt 1379 durch Bischof Wenzeslaus von Lebus die Bestätigung ihrer Statuten (CDB I 23, Nr. 171). Sie setzte sich aus maximal 36 Priestern und zwölf Laien zusammen, die strengen Regularien folgten und sich vor allem dem religiö- sen Totengedächtnis und der Verehrung der Gottesmutter verschrieben hatten. Unter den Laienmitgliedern waren vor- wiegend Angehörige des Frankfurter Patriziats. MKB 73  Frankfurter Stadtbuch. Um 1516, angefertigt vom Stadtschreiber Nikolaus Teymler Handschrift, Pergament, moderner Ledereinband, 35 × 25 cm Frankfurt (Oder), STA FF, Sign. BA I, Abt. I, Gr. 2°:01 Ed.: CDB I 23, S. 379–422, 425–454 (Dokumente des Kopialbuches chronologisch eingeordnet) Lit.: Hoffmann 1969/1977, S. 15; Schirrmacher 1972, S. 74f.; Targiel 2005, S. 61f., Abb. 13, 14; Kilian-Buchmann 2008, S. 21f. Nikolaus Teymler, Sohn eines Frankfurter Sellhausmeisters, hatte an der Universität Leipzig den Magistergrad erworben und war vom Ratsjahr 1497 bis zu seinem Tod im Ratsjahr 1539 (Ratswechsel an St. Gallus – 16. Oktober) Stadtschrei- ber von Frankfurt (Oder). Er bezog Einkünfte aus dem Bar­ bara-Altar der Marienkirche und dem Erasmus-Altar in der Kapelle des Heilig-Geist-Spitals. Besonders verdient machte er sich durch die Anlage seines Stadtbuches ab 1516 in einer sehr gleichmäßigen Schrift, das als zweiten Teil ein Kopial- buch enthält; einzelne Teile stammen von einem zweiten Schreiber bzw. wurden später noch ergänzt. Auf einer ganzseitigen Miniatur (fol. 8) sieht man Teymler zu Füßen des Weltenrichters knien, um ihn herum Auferste- hende, die sich aus ihren Gräbern erheben. Eindrucksvoll wird hier die heilsgeschichtliche Einordnung von städti- schem Leben und städtischer Ordnung sowie die Verbindung von himmlischem Gericht und städtischer Gerichtsbarkeit deutlich. Dazu fügt sich die Präambel, die die weltliche Herr- schaft auf die Macht Gottes zurückführt und mit dem Auftrag des Rates an Teymler endet, die städtischen Rechtsgrundla- gen aufzuzeichnen. Sehr aussagekräftig für das mittelalter- liche Verständnis von der Sakralgemeinschaft, in der sich Kirche und Stadt zusammenschlossen, ist auch die Tatsache, dass sich auf der Rückseite der Miniatur ein Verzeichnis der- jenigen Altarstellen befindet, die der Rat besetzen durfte. Nach einzelnen Kapiteln, die Einnahmen der Stadt (z. B. Steuern und Zölle), Gerichtsvorschriften, Ausgaben, Pflich- ten und Einkünfte der städtischen Amtsträger etc. behan- deln, ist auch ein detailliertes Sakristei-Inventar von Oster- mittwoch 1516 eingefügt, aus dem wir vom reichen Schatz der Marienkirche erfahren. Die sehr qualitätvolle Miniatur im Teymler’schen Stadtbuch ist darüber hinaus für die Kunstgeschichte Frankfurts interessant, weil enge stilistische Gemeinsamkeiten mit dem 1517 entstandenen Epitaphgemälde der Himmelfahrt Mariens für den Pfarrer Matthäus Molner bestehen (Kat.-Nr. 88), etwa in den Gesichtstypen, die sich in beiden Werken wiederholen, oder auch in den sich um eine zentrale Mandorla wattig bau- schenden Wolken. Dies könnte auf eine zumindest zeitweise in Frankfurt tätige Malerwerkstatt hinweisen. GK/MD

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