Leseprobe
170 To p ogr a ph i e Rostock – Projekte für das Auditorium der Univer sität und das herzogliche Corps de Garde Auf demRostocker Hopfenmarkt (heute Univer- sitätsplatz) stand, ziemlich genau vor dem Her- zoglichen Palais, das alte Neustädter Rathaus, welches von der Rostocker Universität als Audi- torium benutzt wurde. 1 Herzog Christian Lud- wig II. nahm an diesem Bauwerk Anstoß, weil es die Aussicht vom Palais behinderte, und wünschte seinen Abbruch. Kompliziert wurde das Vorhaben dadurch, dass sich die herzogliche Palais-Wache – ein Fachwerkbau – an das Audi- torium anlehnte. Die seit Ende 1748 mit der Stadt geführte, durch den Geh. Rat Johann Christian Petersen Punkt für Punkt überlieferte Diskussion über die Verlegung ging durch meh- rere Stadien, darunter den städtischen Vorschlag eines Einbaus in die ehemalige Spitalkirche zum Heiligen Geist. Petersen hatte schließlich An- fang Mai 1749 die Idee, Auditorium und Wache etwas weiter westlich auf vier kleine Parzellen vor dem Chor der Klosterkirche zum Heiligen Kreuz zu verlegen. Der umdiese Zeit eingeschal- tete Hofarchitekt Jean-Laurent Le Geay griff dies auf und entwarf im Mai 1749 zwei oder mehr kombinierte Projekte, deren letztes Christian Ludwig zur Ausführung bestimmte. Zunächst sollte das Gebäude freistehen, später aber die Gasse Kleiner Katthagen verbauen und so direkt an das Weiße Collegium anstoßen (wie es spä- ter auch das Neue Museum tat). Die angemes- sene Hervorhebung der zwischen Auditorium und Kollegium eingezwängten Wache unter- suchte Le Geay in zwei separaten Projekten. Da die Stadt Rostock offenbar keinen subs- tanziellen Beitrag zu den Kosten des Neubaus leisten wollte, versandete das Projekt schon im Herbst 1749. JE 1 Vgl. Lorenz 1919, S. 40 und Abb. 13. – Beitrag von Johan- nes Erichsen im Essayband, S. 284. 117 RO S TOCK · AUD I TOR I UM Auditorium und Corps de Garde – Projekt I (Tektur mit Empore des Obergeschosses) Jean-Laurent Le Geay Mai 1749 Graphit, Feder in Schwarz über Blei; schwarz laviert · 22,5×32,6 cm · Papier (Viertelbogen) Wasserzeichen: nicht bestimmbar (eventuell Lilie imWappenschild mit Krone) Maßstab in Fuß Bezeichnungen: o.M.: [West] »icy est LeGlise du Cloître«; M.r.: [Nord] »Passage«, »Le Colege«; u.M.: [Ost] »Entrée«, »Costé qui Donne sur Laplace«; M. l.: [Süd] »Rue du Cloître«; innen von o. nach u.: »Escalier – Escalier pour Les Tribunes de Lauditoire – chambre Dofficier. Plan de Lauditoire – Grande Salle du Corps de Garde – Escalier – Premiere Salle du Corps de Garde«; auf der Tektur (117 a): o.M.: »Tribune de SAS M. Le Duc«; M. l.: »Place pour mettre la chair«; M. r.: »Tribune pour le Publique.«; M. u.: »Tribune pour la noblesse« Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 34 117 117 a
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