Leseprobe
H e r zog t um Me ck l enburg -S chwe r i n | L and e sh e r r l i ch e R e s i d enz en 17 1 Le Geay bezog sich in seinem Schreiben an den Erbprinzen Friedrich vom 4. Mai 1749 offensicht- lich auf diesen Entwurf eines Auditoriums, des- sen Situierung aus den Aufschriften hervorginge. Die Beschriftung des Inneren sichert die Zweck- bestimmung, die der angrenzenden Flächen und desWeißen Collegiums die Lokalisierung amRos- tocker Hopfenmarkt vor dem Chor der Heilig- Kreuz-Kirche. Die Gesamtform und auch die Fas- sadengestaltung des Baus lassen die Verbindung heterogener Bauaufgaben noch deutlich erken- nen: Der Kontrast zwischen dem nur durch eine dreifache Schichtung der Wandebenen belebten und offenbar fast fensterlosen Block des Audito- riums einer- und der an den Rand gerückten, stark durchfensterten Schauseite des Corps de Garde andererseits erscheint unbefriedigend. DemAuditoriumssaal gab Le Geay die Form eines ausgenischten, zweigeschossigen Zentral- raums mit einer umlaufenden Empore, deren barock anmutende Vor- und Rücksprünge mit dem antikischen Raumtypus kontrastieren. Da nur der Grundriss des Raumes aufgetragen und die Empore lediglich per Tektur angegeben ist, bleiben die Belichtung und die Form der Über- deckung (Kuppel? Oberlicht?) unklar. ImVerhält- nis zum Rostocker Vorschlag für den Einbau in der Heilig-Geist-Kirche (Kat.-Nr. 119) ist die ab- weichende Verteilung der Zuhörer im Raum ze- remoniell interessant: Auf der Empore sitzen auf dem Niveau der Disputanten herausgehoben Herzog, Adel und Publikum; den Vertretern von Universität, Stadt und Geistlichkeit bleibt nur die undifferenzierte Fläche zu ebener Erde ohne direkte Sicht. War diese Umverteilung von der herzoglichen Seite angeregt oder vom Architek- ten selbst erfunden? JE 118 RO S TOCK · AUD I TOR I UM Brief an Erbprinz Friedrich von Mecklenburg über die Pläne der Stadt Rostock für das Auditorium der Universität Jean-Laurent Le Geay Rostock, 4. Mai 1749 Feder in Braun · 32×20,5 cm (gefaltet) Briefpapier (zwei Seiten u. zwei Leerseiten) Wasserzeichen: »ProPatria«, vgl. S. 605, Typ 02E Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 35 118 118 verso
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