Leseprobe
17 2 To p ogr a ph i e Der Text (transkribiert auf S. 378, Nr. 5, des Es- saybandes) nennt den Adressaten nicht beim Namen. Angesichts der Differenzierung zwi- schen diesem (»Monseigneur«) und dem imText erwähnten regierenden Herzog (»Monseigneur le Duc«) muss er an den Erbprinzen Friedrich ge- richtet gewesen sein. In der Tat stammt der dem Schreiben als Anlage beigefügte Plan Kat.-Nr. 119 laut späterem handschriftlichem Vermerk auf dem Verso aus den Papieren des Herzogs Fried- rich. Offensichtlich informierte der Architekt hier den Erbprinzen hinter dem Rücken des Va- ters über die Entwicklung eines strittigen Bau- projekts in Rostock. JE 119 RO S TOCK · AUD I TOR I UM Grundriss Kopie Le Geays (?) nach einem Rostocker Entwurf Mai 1749 Graphit, Feder in Braun · 33,4×41,6 cm Schreibpapier (ganzer Bogen) Wasserzeichen: »ProPatria«; »IVAS«, zweikonturig Maßstab in Schuh Bezeichnungen: im Uhrzeigersinn: »Grund Riß zum Auditorio«, »Norden«, »E. Hochfdl. Rath.«, »obere catheder«, »die Hhl. Professores«, »untere catheder«, »Mittelplatz mit einem gelender und 4 doppelten Thüren versehen«, »Osten«, »die Hhl. Prediger«, »Thür und fenster darüber«, »blinde Thür und fenster«, »Süden.«, »Opponenten-banck«, »Musicanten chor«, »Hertzogl. Sitz«, »die Hertzogl. Hhl. Räthe«, »Thür und Fenster darüber«, »blinde Thür und Fenster«, »Maßstab von Schuhen«, »Westen«, »Die Hhl. Magistri«, »die Hhl. Doctores«; verso (19. Jh.): »Befand sich unter den Hand- zeichnungen des Hzg. Friedrich zu Mecklen- burg 1717–1785.« Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 423 Laut Begleitschreiben Le Geays vom 4. Mai 1749 (Kat.-Nr. 118) kopiert die Zeichnung einen Anfang Mai 1749 imAuftrag der Stadt Rostock erstellten schematischen Entwurf für den Einbau des Uni- versitätsauditoriums in den drei westlichen Jo- chen der ehemaligen Heilig-Geist-Kirche. 1 Das für Herzog Christian Ludwig II. bestimmte Origi- nal hatte Petersen Le Geay unter der Hand vor- gelegt, und dieser hatte die Kopie für Erbprinz Friedrich genommen. Die umfangreiche deut- sche Beschriftung muss aber von einemDritten eingetragen worden sein. Die Vorlage samt zu- gehöriger Erläuterung hat sich in der Korrespon- denz Petersens mit demHerzog erhalten. Lorenz (1919) bildete ein weiteres Exemplar aus den Akten der Stadt Rostock ab. Die recht schematische Zeichnung erhält hohes zeremonialgeschichtliches Interesse durch die Angabe der geplanten Einrichtung des Rau- mes mit Kathedern, herzoglichem Sitz und Zu- hörerbänken sowie der Angabe der Sitzordnung anlässlich einer feierlichen Promotion. Le Geay, der mit den Traditionen des deutschen Univer- sitätsbaus unvertraut war, konnte daraus die Grundzüge der Anlage eines akademischen Au- ditoriums ersehen, auch wenn er den Vorschlag des Einbaus unter den hohen Gewölben der Kir- che für abwegig hielt. Gemäß demhandschriftlichen Vermerk auf der Rückseite (»befand sich unter den Hand- zeichnungen des Hzg. Friedrich zu Mecklenburg 1717–1785«) ist der Plan aus einem Bestand des Schweriner Landesarchivs transferiert. Der Ver- merk belegt einen frühen Austausch von Zeich- nungen unter den herzoglichen Instituten und ist insofern bedeutsam für die Frage der Prove- nienz des Planbestands der Landesbibliothek. JE 1 Lorenz 1919, S. 40 und Abb. 13. – Weitere Quelle: Peter- sen: LHAS, 2.12-1/23 Korr. der Herzöge, Sign. 3050, Dok. 29, 7. Mai 1749. 119 119 verso
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