Leseprobe

H e i l i ge s Röm i s ch e s R e i ch | Kur für s t en t um B r aun s chwe i g - L üne burg  3 2 1 neral de la nouvelleMachine, Écluse et du Canal«. Die Abzweigung eines Kanals von der Leine und die Errichtung einer Wasserhebevorrichtung (Nr. 2, »La Machine Angloise«) gehen in ihren Grundzügen auf Georg Wilhelm Leibniz zurück, der sich seit 1695/96 mit dem »Herrenhäuser Wasserwerk« befasste. Georg I. hatte viel in die Realisierung des bis zu 35 Meter hohen Spring- strahls im Bassin in der Mittelachse investiert, »Le Grand Jet d’Eau des Anglois« (Nr. 6) – eine technische Höchstleistung in der Konkurrenz mit anderen europäischen Höfen. Die bis 1723 errichtete neue Orangerie (Nr. 11) und das 1724 entstandene Küchengebäude (Nr. 17) sind wie- dergegeben. Der Vergleich mit einem um 1735 zu datie- renden Plan von Pierre Nicolas Landersheimer 3 und früheren, in Stockholm erhaltenen Plänen 4 zeigt geringe Abweichungen, unter anderem in der Aufteilung der Triangel. Hingegen stimmen der Titel der Zeichnung und die Aufteilung der Triangel mit einem unsignierten, zwischen 1724 und 1736 entstandenen Plan im Nachlass des Architekten Tobias Henry Reetz überein (Abb. 2), von 1725 bis 1736 königlicher Hofarchitekt in Hannover. 5 ImUnterschied zu diesemexakt auf- genommenen Blatt, aber so wie die meisten an- deren Pläne der Anlage ignoriert der Schweriner Plan die leichte Winkelverschwenkung der Gar- tenquartiere und regularisiert sie nach orthogo- nalem Prinzip. Der 1714 geborene und in Hanno- ver imUmkreis von Otto Heinrich von Bonn aus- gebildete Horst 6 dürfte den Plan frühestens in der zweiten Hälfte der 1730er Jahre und vor sei- nemWechsel nach Schwerin im November 1747 gezeichnet haben. IL 1  Ausst.-Begleitheft Schwerin 2018, S. 40, Abb. 2  Palm 2006, S. 17–42. – Lauterbach 2013, S. 102–143. 3  Palm 2006, Abb. 6. 4  Reuther 1976, Abb. 3 und 4. 5  Hannover, Georg-Wilhelm Leibniz Bibliothek – Nieder- sächsische Landesbibliothek, WBB 25397 R, Blatt 31. – Adam 2001, S. 87. – Adam 2002. 6  Vgl. die Kurzbiographie zu Horst im vorliegenden Band, S. 593. 287

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