Leseprobe
466 To p ogr a ph i e HE R ZOGTUM SAVOY EN 410 HE R ZOG T UM S AVOY EN (?, NORD I TA L I EN) Aufriss und Querschnitt eines Gebäudes um 1700 Graphit, Feder in Schwarz; grau und rot aquarelliert · 30,5×46 cm · Papier Wasserzeichen: nicht bestimmbar Maßstab in Trabucchi (?) oder »Th« (alte Schreibweise von »Thoises«?) Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 213 Der langgestreckte zweistöckige Baumit fünf Ar- kadenöffnungen imErdgeschoss und einemdrei- achsigen, vortretenden Eckbau an der linken Seite wird von einer durchlaufenden Balustrade abgeschlossen. Im Obergeschoss ist nicht ganz klar, ob es sich um geschlossene, von Blendfel dern gegliederte Wandflächen handelt, oder ob diese Blendfelder als Fenster anzusehen sind. Da auf der linken Seite ein konvex vorgewölbtes Por- tal mit einer Balkonbrüstung darüber angegeben ist, dürfte man hier eine Fenstertür vermuten, und daher könnten die wie Blendfelder erschei- nenden Rahmungen derWand auch Fenster sein. Aufgrund der im Querschnitt sichtbaren Kamine in jedem Zimmer scheint es sich um einen Bau in nördlicheren Zonen zu handeln, der in leichter Hanglage angegeben ist. Ungewöhn- licherweise werden auch Details der Fundamen- tierung mit groben Gesteinsbrocken eingetra- gen. Es ist der Zeichnung nicht zu entnehmen, welcher Funktion dieser Bau dienen soll. Es dürfte ein Nutzbau gemeint sein, der aber offi- ziellen Charakter hat und repräsentative Züge aufweist. Hier liegt vermutlich die Seitenansicht des Gebäudes vor, da in Höhe der abschließen- den Balustrade zu beiden Seiten angeschnittene Dreiecksgiebel zu sehen sind. Die Gestaltung ist recht aufwendig. Der Eckpavillon wird von bos- sierten oder genuteten Lisenen gerahmt, eben- so der Arkadentrakt, der insgesamt eine genu- tete Blendsteinverkleidung zeigt. Zwischen den Fenstern des Obergeschosses sind auf Konsolen Büsten aufgestellt; beim Eckpavillon sind ovale Medaillons mit Reliefdarstellungen angebracht, im Erdgeschoss flankieren Statuen das Portal. Vasenaufsätze schmücken die Balustrade. Zwi- schen den Arkaden sind vier einfache Türöff- nungen zu sehen. Der Entwurf ist etwas ungelenk gezeichnet, aber durchaus anspruchsvoll gedacht. Der Bau erinnert etwas an die ab 1716 von Filippo Juvarra an der Porta Susa in Turin gebauten, sehr reprä- sentativen Kasernenquartiere, die dort das Ent- rée in die Stadt bilden. Der Eckpavillon vermit- telt aber eher den Eindruck einer Gartenarchi- tektur. Es könnte sich um eine Orangerie oder einen Marstall handeln. Ohne den Grundriss ist der Zweck des Gebäudes nicht eindeutig zu klä- ren. Die Maßeinheit Trabucchi wurde in Nord italien verwendet. EK 410
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MTMyNjA1