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Üb r i ge s Euro pa | R e pub l i k V ened i g 46 9 Scene. M. Altri Rochetti più grandi Fucellati per condur Carretti con spezzamenti di Scene verso il mezzo della Scena. N. Timpano, ov’è attacada la Fune del peso per far girare il Perno. O. Ruote radiate, che si muovono da Uomini per agevolare il contrapeso, al cam- mino delle Scene. P. Sfondi nell terreno per dar debita altezza alli contrapesi Q. Machina inser- viente a Scena di Ballo, o ad’altro uso, la quale s’innalza sopra il Palco Scenario mediante il Perno R, con Funi, che se gli aggirano voldanto [sic] le Ruote S., e coll ajuto de contrapes T.«; Beschriftung im Grundriss ohne Nummerie- rung v. l. n. r.: »Parte di Cortile dietro la Scena.«, »Cinque Camerini una Sopra l’altro, servono alli virtuosi di Canto, e di Ballo, alli Figuranti ed al Sarto.«, «Luogo Commune«, »Sito delle Scale per passare alli Camerini ed alla Soffitta sopra la Scena.«, »Cammerini per le Virtuose di Canto e di Ballo« (zweimal), »Luogo sotto Scena ser- rato di tavole ove si trattengono le Comparse in tempo, che non sono in esercizio«, »Li Pro- scenj superiori si estendono sino al muro come quaello all’incontro.«, »Palchetti«, »SOTTO- SCENA ORCHESTRA PLATEA capace di duecento Sedie oltre alle Strade che vi sono all’intorno«, »Palchetto Proscenio«, »Corridore per entrare nelli Palchetti, il quale negli Ordini Superiori al Pé Piano camina tutto all’intorno.«, »Camerini che sono inservientie dirimpetto alli Palchetti ad essi«, »Scale« (zweimal), »VESTIBOLO per il quale si passa dall’Atrio alla Platea«, »Bottega da caffé con luoghi in dentro ad uso di essa.«, »ATRIO o sia ingresso alla Platea.«, »Bottega da frutti, o altro.«, »SOTTOPORtico«, »Strada Reggia« Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 508 Der – bis an die seitlich zum Teil von Mauer zügen gesprengte Randleiste – eng und unge- wöhnlich ausführlich beschriftete Grundriss zeigt die Schwierigkeit, trotz der Einschränkung durch die unregelmäßigen Mauern des Vorgän- gerbaus auf einem auf drei Seiten dicht verbau- ten Grundstück eine überzeugende Raumord- nung aus Bühne samt Nebenräumen, Zuschau- erraum, Verkehrsflächen und dem hier großzü- gig dimensionierten Eingangstrakt mit Atrium, Foyer und Erfrischungsräumen zu organisieren. Mit dem Portikus zur Hauptstraße wird der Bau an die städtische Öffentlichkeit adressiert. Graf Guglielmo d’Onigo engagierte 1763 Antonio Galli Bibiena aus Bologna, der dort ge- rade sein wichtigstes Werk, das Teatro Pubblico, mit erzwungenen Einschränkungen fertiggestellt hatte. 1 Zusammen mit Giovanni Miazzi sollte er einen Neubau für das renommierte Theater auf dem unregelmäßigen, nur zur Straße hin offe- nen Grundstück errichten. Das von einer der äl- testen Familien der Mark seit 1692, wie in Vene- dig und seinen Landstädten üblich, als lizensier- tes Unternehmen geführte Theater gehörte zu den bedeutendsten auf der Terraferma. Die Planung für Treviso ist – ein für die Theater der Familie Bibiena seltener Fall – in einem vollständigen Plansatz von fünf Blättern (Grundriss, Aufriss der Fassade und Querschnitt des Eingangstrakts, Längsschnitt, Grundriss Saal decke und Querschnitt Proszenium, Plan Ober- und Untermaschinerie) mit sehr detaillierter Le- gende in einer Mailänder Privatsammlung erhal- ten geblieben (Abb. 1). 2 Dies erlaubt, die beiden Blätter (Kat.-Nr. 411 und 412) als fast identische Kopien gleichen Formats von Foglio I und II die- ses Albums aus der Hand eines engen Mitarbei- ters Antonio Bibienas zu bestimmen. Nach den erbitterten Auseinandersetzun- gen um sein Bologneser Theater 3 gelang es An- tonio Bibiena in Treviso, seine dort von der Acca- demia Clementina bezweifelten und polemisch bekämpften Ideen zur Verbesserung und Erneu erung des barocken Theaterbaus mit dem intel- lektuell freundlicheren Klima der venetianischen Aufklärung zu harmonisieren. Es wird ihm be- scheinigt, hier die Fehler korrigiert zu haben, die er in seiner partiellen Rücksicht auf Kritikpunkte seiner Gegner in Bologna in Kauf genommen hatte. »Quello che tutti convengono, [...] è l’edi- ficio del teatro che riescemeraviglioso per la sim- metria, l’eleganza e per l’armonia. Si vuole che il Bibiena nell’alzarlo dopo quello di Bologna abbia in questo corretto tutti i difetti che poi furono scoperti in quello.« 4 Konkret heißt das die Zu- rücknahme einer ausgeprägten Glockenform »a campana« zugunsten einer zur Bühne hin leicht verbreiterten U-förmigen Saalkurve. Außerdem verzichtete Bibiena auf die stärker voneinander separierten Balkonlogen (»balconcini«) und die von Algarotti als »meschini e pigmei« 5 denun- zierten klassischen Ordnungen im Proszenium bzw. an den Logenbrüstungen (Abb. 2). Wie in Bologna hielt Antonio aber an der feuerbestän- digeren Bauweise in Ziegeln statt Holz fest. Insofern demonstriert sein Theater in Tre- viso, dass die glorreiche Tradition der Bibiena noch nicht so erschöpft war, um vor den radika- len Forderungen jener Aufklärer kampflos zu ka- pitulieren, die sich einemoderne Architektur für Oper und Schauspiel seit den 1760er Jahren nur im Rückgriff auf das Amphitheater der Antike vorstellen konnten. 1868wurde das Bibiena-Theater durch Brand bis auf Miazzis Fassade zerstört und im Stil des späten Historismus wieder errichtet, heute be- herbergt es das Teatro Comunale di Treviso. HL 1 Azzi Visentini/Lenzi 2000. – Lenzi/Bentini 2000, S. 337, Nr. 86. – Mancini/Muraro/Povoledo 1994, S. 53–76. 2 Azzi Visentini/Lenzi 2000. – Lenzi/Bentini 2000, S. 337, Nr. 86. Der Mailänder Grundriss enthält zusätzlich einen Vermerk zum Stifter, verweist auf die »invenzione« des Antonio Bibiena und trägt das Datum 1765. 3 Bergamini 1997. – Quecke 1997, S. 102–105. 4 Brief Giovanni Maria Ortes an Johann Adolph Hasse, 18. Oktober 1766, zit. n. Lenzi 2000, S. 30. 5 Algarotti 1763, S. 80.
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