Leseprobe

Zur Wa s s e r z e i ch enana ly s e d e r Pa p i e r e d e s »Me ck l enburg i s ch en P l ans chat z e s«  59 9 schöpfte Papierbogenwar an diesen Stellen dün­ ner und wies eine höhere Transparenz als auf dem Rest des Papierbogens auf. »Jedes Wasserzeichen vom frühesten Auftre- ten an bis zum Maschinenpapier tritt nicht ein- zeln, sondern in der Regel paarweise auf. [...] Das gleiche Zeichen in seinen zwei Abarten (Varian- ten) bilden ein Formenpaar.« 13 »Die Erscheinung der Wasserzeichenpaare ist technisch begrün- det, sie resultiert aus der handwerksmäßigen Anfertigung der aus Draht geformten Urbilder der Wasserzeichenfiguren auf den Schöpffor- men. Wie [oben beschrieben, G.D.] arbeitet man an der Bütte in der Regel mit zwei Formen. Beide Schöpfformen waren mit den gleichen Zeichen versehen, denn die mit dem Formenpaar zu schöpfende Papiersorte war einheitlich zu sig- nieren. Die aus Kupferdraht gebildeten, auf dem Schöpfsieb aufgelegten, mit feinen Messing­ fäden angenähten oder seltener aufgelöteten Fi- guren der beiden Schöpfformen eines Formen- paars stimmten nicht haargenau überein. Sie konnten bei noch so sorgfältiger und geschickter Arbeit der Formenmacher nicht vollkommen identisch sein, da die Herstellung der Drahtzei- chen wie der Form auf Handarbeit beruhte. [...] DemSchöpfformenpaar entsprechend begegnet uns deshalb im Papier das Wasserzeichenpaar. Die Unterschiede der beiden Varianten eines Zei- chens sind nur geringfügig, ja oft so unbedeu- tend, daß sie mit dem bloßen Auge nicht festzu- stellen sind, sondern erst durch vergleichendes Übereinanderlegen von gezeichneten Pausen der Wasserzeichen erkennbar werden.« 14 Waren es zunächst die Papiermacher selbst, die ihre Papiersiebe schufen undmit Wasserzei- chen versahen, änderte sich dies im 18. Jahrhun- dert (in Frankreich eventuell schon früher). Der Berufszweig der Formmacher bildete sich her- aus. 15 »Von berufsmäßig arbeitenden selbst- ständigen Formmachernwurde dann eine ganze Reihe von oft weit entfernten Papiermühlenmit Formen versehen. Es wurden auch Formen mit Freizeichen oder besonders beliebten Marken auf Vorrat gearbeitet und diese von Fall zu Fall ohne Gegenmarke oder mit einem bestellten speziellen Gegenzeichen versehen verkauft.« 16 »Auffallend ist jedenfalls, daß bei den Wasser- zeichen verschiedener Papiermühlen mitunter eine so verblüffende Ähnlichkeit und sogar na- hezu vollständige Übereinstimmung sich erken- nen läßt, dass diese nur auf der gleichen anfer- tigenden Hand beruhen kann. Beim Vergleich vonWasserzeichen der Papiermühlen eines grö- ßeren oder kleineren Gebietes lassen sich gele- gentlich ganze Gruppen von Zeichen und Schu- len feststellen, bei denen die gleiche Hand er- sichtlich ist, die mit den gleichen Zeichen die Formen an verschiedeneMühlen geliefert hat.« 17 Als Beispiel führt Weiss hier später die Papier- macher aus den Vogesentälern an, die im 17. und 18. Jahrhundert »ihre Siebformen fast ausschließ- lich aus der Schlettstadter Siebmacherzunft be- zogen«, was die Ursache für die »in die Augen springende Übereinstimmung in der ästheti- schen Gestaltung so vieler Elsässer Wasserzei- chen« 18 sei. Zur Wasserzeichenanalyse – Filigranologie Die Hauptaufgabe der Wasserzeichenanalyse ist es, »Verwandtschaftsbeziehungen« der Wasser- zeichen untereinander aufzudecken. Dabei er- folgt eine Unterscheidung von »identischen Wasserzeichen« und »Varianten«. In der Filigra­ nologie gilt, dass Wasserzeichen, die als iden- tisch bezeichnet werden, »in all ihren Einzelhei- ten – sowohl der Abdruck der Drahtfigur selbst, wie die Lage auf dem Sieb« 19 übereinstimmen und somit deckungsgleich sind, was durch Über- einanderlegen transparenter Bilder überprüft wird. »Wasserzeichen hingegen, die als Varian- ten bezeichnet werden, stammen demheutigen Sprachgebrauch zufolge zwar eindeutig von derselben Drahtfigur ab, diese hat sich jedoch im Laufe des Produktionsprozesses verändert und erzeugte so Abdrucke, die in ihrer Form von- einander abweichen.« 20 Außerdem findet mit- unter die weitgehend unbestimmte Zuord- nung zuWasserzeichen gleichenMotivtyps ihre Verwendung. Eine solche Zuordnung mag der Untergliederung von Beständen dienen, jedoch lassen sich hieraus keine stichhaltigen Zusam- menhänge besonders in Bezug auf die Papier­ datierung ableiten. Werden identische undmit Einschränkungen auch ähnlicheWasserzeichen vorgefunden, kön- nen Datumsangaben der gesicherten Wasser- zeichenbelege auf alle anderen Dokumente oder Zeichnungen mit eben jenem Wasserzei- chen übertragen werden. Der hierbei einzuhal- tende Toleranzbereich schwankt je nach filigra­ nologischer Auffassung bei identischenWasser- zeichen zwischen zwei und vier Jahren. Dieser Toleranzbereich erklärt sich aus dem Verwen- dungszeitraum der Schöpfsiebe. Im Bestand der Schweriner »Planschatz«- Zeichnungen findet dies so teilweise auch seine Bestätigung. Die Zeichnung mit der Inventar- nummer 411 (Kat.-Nr. 489) trägt die zweikonturi- gen Buchstaben »D & C Blauw« als Wasserzei- chen (Abb. 1). Die kunsthistorische Analyse kann hier insoweit präzisiert werden, als dass die Zeichnung Herzog Friedrichs auf diesem Blatt seitens des Wasserzeichens in die Jahre um 1750/1755 zu datieren ist, da es auf die holländi- schen Papiermacher Dirk &Cornelis Blauw 21 ver- weist, die erstmalig im Jahr 1750 gemeinsamund unter dieser Firmierung in Erscheinung traten. 22 Trotz allem lässt sich ein schon belegter bzw. dokumentierter Papierverwendungszeitraum nicht zwangsläufig auf andere Archivalien und Artefakte übertragen. Gerhard Piccards Annah­ me, dass »Schreibpapiere gewöhnlicher Qualitä- ten der Zeit von etwa 1360 bis etwa 1630/1650, wie sie für die große Masse der Handschriften und Kanzleiprodukte Verwendung fanden, [...], mit außerordentlich großer Wahrscheinlichkeit‹ innerhalb von drei bis vier Jahren beschrieben worden« 23 sind, traf bei der Überprüfung durch Alois Haidinger bei der Datierung von Hand- Abb. 1 Wasserzeichen »D&C Blauw« im Papier von Plan 411 (Kat.-Nr. 489)

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