Leseprobe

33 Innenansichten Arbeitsalltag, Freizeit und Selbstbild der hauptamtlichen Mitarbeiter Fotografien, die das Innenleben des MfS dokumentieren, sind verhältnismäßig selten in den überlieferten Beständen zu finden. Grund dafür ist vor allem das Foto- grafierverbot, dem die hauptamtlichen Mitarbeiter unterworfen waren. Räumlich­ keiten, Arbeitsabläufe und Kollegen sollten nicht fotografiert werden, da solche Aufnahmen als Gefährdung der Konspiration betrachtet wurden. Trotz dieser Praxis existieren Fotografien, die Einblicke in dieWelt der haupt­ amtlichen Mitarbeiter ermöglichen. Dazu gehören Bilder, die für interne Aus- stellungen oder Fotoalben der Diensteinheiten fotografiert wurden und nicht selten inszeniert wirken. Bilder vom Innenleben des MfS sind auch anlässlich von Baumaßnahmen oder im Zuge von Ermittlungen gegen einzelne hauptamtliche Mitarbeiter entstanden. Die Fotografie wurde zudem als Mittel zur Dokumentation von Arbeits- abläufen eingesetzt – beispielsweise bei Maskierungen, beim konspirativen Öffnen von Fahrzeugen oder beimTesten von Aufnahmetechnik. Die Porträts hauptamtlicher Mitarbeiter, die für den Dienstausweis und die Kaderakten angefertigt wurden, sind ein weiteres Beispiel dafür, inwiefern die Fotografie Bestandteil des MfS-Arbeits­ alltags war. Ein gänzlich anderes Exempel für den Einsatz der Fotografie als Arbeits- mittel im MfS ist dagegen die offene Aufnahme eines Beschuldigten zum Zweck der Erpressung. Breiten Raum nehmen in der Überlieferung zu diesemThema Fotografien von internenVeranstaltungen wie Jahrestagen, Arbeitseinsätzen, Geburtstags- und Trauerfeiern und von offiziellen Besuchen leitender MfS-Mitarbeiter oder anderer Gäste ein. Sie wurden in der Regel für die Traditionsarbeit, als Geschenk für die betreffenden Hauptpersonen oder allein zur internen Dokumentation angefertigt. Da das MfS nur sehr begrenzt eine eigene Öffentlichkeitsarbeit betrieb, sind Aufnahmen, die in propagandistischer Form das Selbstbild der Geheimpolizei dokumentieren bzw. inszenieren – etwa durch technisch hochwertige Aufnahmen – nur recht selten in den Beständen zu finden.

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