Leseprobe

13 links und rechts: Kunst-am-Bau-Projekt mit 23 Patient*innen: Drei dreieckige Stelen, je 60×330 cm, zusammengesetzt aus 48 direkt in Beton gearbeiteten Reliefs. Inn-Salzach-Klinik 1990 (links: Aufbau) Projektgruppe Doris Titze, Brigitte Vilmar (Initiatorinnen); Thomas Hellinger, Christine Krämer, Jochen Lucas, Mattias Stuchthey, Ulla Tretter. Fotos: Projektgruppe, Ivan Baschang können, muss man eigenständig, also resili- ent bleiben. Sonst könnte man in eine Ge- fühlsansteckung gleiten, die den Patient*in- nen wenig hilft, weil man die Distanz verliert, die man bei aller Feinfühligkeit benötigt. Es wirken Resonanz und Resilienz, Kopf, Herz und Verstand gemeinsam. Nach Hartmut Rosa ist »Resonanz [...] keine Echo-, sondern eine Antwortbeziehung; sie setzt voraus, dass beide Seiten mit eigener Stimme sprechen, und dies ist nur dort mög- lich, wo starke Wertungen berührt werden« (2016, S. 298). Resonanz zwischen Menschen ist nach Rosa eine »Form der Weltbeziehung, in der sich Subjekt und Welt gegenseitig be- rühren und zugleich transformieren. [...]« Ein therapeutischer Kerngedanke, der auch in der Aufgabe der Arbeit für die Patient*innen wirksam wird. Es gilt, sich in die Menschen und ihre bildnerische Äußerung und Situation einzufühlen. Es gilt aber auch, eigenständige Ideen zu entwickeln, die einen gemeinsamen Dialog weiterführen. Eine künstlerische Arbeit für Patient*innen ist eng verwoben mit der rezeptiven Kunst- therapie, wie sie Albrecht Leuteritz beschreibt. Werke von Künstler*innen können hierbei als Anregung und Identifizierungsangebote an- hand von Museumsbesuchen und Gesprä- chen dienen: »Das Wahrnehmen und Emp- fangen von Kunst und die bewußte Ausein- andersetzung mit ihr kann ein kunstthera- peutischer Vorgang sein« (Leuteritz 1993, S. 275). »Kommt es aber zu dieser seelischen Resonanz zwischen Kunstwerk und Rezipien- ten, dann können seelische Kräfte geweckt

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