Leseprobe
29 rer stellte den Kasten Bier dazu. Gotteslohn brauchte er nicht zu versprechen, die Männer waren von selbst an der Erhaltung ihrer Kirche interessiert. Aber sie mussten tief heruntergraben, mehr als vier Meter. Auf halbemWege entdeckten wir dann einen gemau- erten Bogen in der Wand, also änderten wir die Rich- tung der Grabung noch ein wenig, genau auf den Fuß des Bogens zielend. Und tatsächlich fanden wir dort den ersten Eichenpfahl unter der Mauer – später wur- den es mehr. Die Pfahlköpfe waren angefault und weich geworden, der Giebel hatte sich gesetzt und die ersten Meter der Längswände auch, dabei waren sie aufgerissen. Die Therapie geriet einfach: Hilfe hatten nur der Westgiebel und seine beiden Wandecken nötig, nicht die ganze Kirche. Ob sich die Setzungen noch fort- setzen würden, oder ob die Lehmschicht nach dem Verfaulen der Pfahlköpfe und dem ersten Absinken der Wand keine weiteren Setzungen mehr zulassen würde, ließ sich nicht zuverlässig prognostizieren. Vorsichtshalber ließ ich den angefaulten Eichenholz- pfählen Stahlbetonbohrpfähle zugesellen. Dann wur- den die Risse imMauerwerkmit Mörtel verschlossen, Nachgründung und Wandverspannung Eichenpfähle die Wände wurden längs durchbohrt und mit Rund- stahlankern bestückt, diese angespannt und dabei das Mauerwerk längs zusammengedrückt. Die neuen Pfähle wurden nicht, wie sonst üblich, vorbelastet, nicht mit Pressenkraft fest in das Erdreich gedrückt. Sie sollten sich, falls das Bauwerk weiter absank, noch etwas nachsetzen können. Es sollte nur ein Auf- fanggerüst mit weichem Übergang zwischen alter Gründung und Nachgründung bereitgestellt werden, kein harter Wechsel zwischen beiden entstehen. Über den unteren Spannankern konnten sich dann bei weiterem Absinken unsichtbare Druckbögen in der Wand ausbilden, um die Wandlasten auf die neuen Pfähle umzuleiten. Aber die neue Lastabtra- gung sollte nicht mit Gewalt erzwungen werden, sie sollte sich – nur wenn und soweit nötig – von allein einstellen können, was sie inzwischen offensichtlich getan hat. Jürgen Haller hat das Vorspannen der Wand- anker, wie schon bei der Stiftskirche Herrenberg, in seine Promotionsarbeit einbezogen, Fritz Leonhardt hat wieder als Prüfingenieur mitgewirkt. Beiden bin ich dankbar. Zusätzliche Betonbohrpfähle und Wandverspannungen
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