Leseprobe

42 Wilhelm Goes war der erste von zwei Lehrmeistern, die ich hatte. Er leitete die nach ihm benannte, aus einem Zimmereibetrieb hervorgegangene mittelstän- dische Ingenieurbaufirma in Salzgitter-Thiede in der dritten Generation. Geboren 1910, hatte er bei sei- nem Vater das Familienhandwerk erlernt und wurde dann zum Studium auf die Baugewerkschule nach Holzminden geschickt. Während des 3. Semesters starb sein Vater, und der Sohn konnte sein Studium fortan nur noch in den Wintersemestern fortsetzen, während er in den Sommersemestern als Zimmer- mann das nötige Geld verdienen musste. Im März 1933 bestand er mit Auszeichnung das Abschluss- examen als Bauingenieur. Schon als Student und in den Jahren danach arbeitete er mit Professor Wilhelm Stoy zusammen, dem Begründer des ingenieurmäßi- gen Holznagelbaus, an dessen Entwicklung und Ein- führung in die Baupraxis er großen Anteil hatte. Wilhelm Goes war erfinderisch dem Neuen zu- gewandt, blieb aber gleichermaßen dem Alten, dem herkömmlichen Zimmererhandwerk, verhaftet. Das blieb auch so, als der wirtschaftliche Aufschwung des »Dritten Reiches« eine Vielzahl von Siedlungs- bauten entstehen ließ, für die die neuen, material- sparenden Nagelbinder die ideale Dachkonstruktion darstellten und großen Absatz fanden. Der 2. Weltkrieg unterbrach die Entwicklung der Firma. Wilhelm Goes wurde, mit drei Mitarbeitern, dienstverpflichtet und der IG-Farbenindustrie im Osten für den Bau von Unterkünften und Hallen zu- gewiesen. Die ihm zur Arbeit zugeteilten Zwangsar- beiter und Häftlinge hatten unter Bedingungen zu leben, die ihn bedrücken mussten. Am Kriegsende gaben sie ihm die Bestätigung mit auf den Weg, er habe sie behandelt wie seine eigenen Leute, und ge- holfen, wo er konnte. Wilhelm Goes

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