Leseprobe
53 dium, in der Weiterbildung. Man musste ihn bitten, er hat nicht gleich »Ja« gesagt. Aber immer hat er die Studenten und jungen Berufskollegen begeistert. Er hat ihnen nahegebracht und gezeigt, dass zwischen dem vielen Möglichen und demwirklich Nötigen Wel- ten liegen können, dass das Modernste nicht immer das Angemessenste ist und dass weniger mehr sein kann. Alle haben gespürt, dass da einer vor ihnen stand, der in seinem nicht immer leichten Leben ge- radlinig und standhaft, einfühlsam und erfinderisch, praxiszugewandt und ganz einfach vernünftig war. So erlebte ihn über lange Jahre auch Hans Nadler. Wolfgang Preiß, sagte er mir wenige Tage nach des- sen Tod, habe in den 40 Jahren DDR als Ingenieur in der Denkmalpflege größte Wertschätzung errungen, bei ihm, bei seinen Kollegen, im ganzen Land. In Not- fällen sei er immer schnell zur Stelle gewesen, habe, wenn es schwierig wurde, so lange Varianten unter- sucht, bis er die für die Praxis optimale Lösung ge- funden hatte. Und dann erzählte mir Hans Nadler die Episode, dass Wolfgang Preiß nach der Wende zu einem Gutachten aufgefordert worden sei, für das es nach der Gebührenordnung 20 Tausend Mark hätte geben sollen. Da habe er, Preiß, mit Blick auf das, was man von ihm erwartete, dankend den Kopf ge- schüttelt und gesagt, seine Gutachten hätten immer nur 300 Mark gekostet. ZumSchluss unseres Gesprä- ches sagte Hans Nadler: »Wolfgang Preiß war eine herausragende Einzelerscheinung, er ist nicht zu er- setzen. Aber er hat Beispiel gegeben«. Seit der Wende sind jetzt 30 Jahre vergangen, Wolfgang Preiß und Hans Nadler sind 15 Jahre tot. Mit dem Aufbau eines kleinen Büros für Baukonstruktio- nen in Dresden habe ich versucht, ihre Leitgedanken und unsere Karlsruher Erfahrungen in der Praxis zu- sammenzuführen. Michael Schwarz aus Karlsruhe half mir dabei. Wir fanden junge Mitarbeiter: Ute Ellis, Thomas Röttger, Hagen Grütze, Bernd Hoche, Cerry Preuß, allesamt aus Dresden. Sie arbeiten nun schon mehr als 20 Jahre zusammen, zunächst mit Michael Schwarz und Markus Hauer, jetzt mit Hagen Grütze als Büroleiter. Ihnen wurden hochrangige Kul- turdenkmale zur Reparatur anvertraut – in Dresden der Zwinger, das Japanische Palais, Schloss Moritz- burg, dazu viele andere. Ihr technisch und denkmal- pflegerisch sensibler Umgang mit der historischen Bausubstanz findet Anerkennung. Meine Verbindung zum Dresdner Büro ist immer noch herzlich. Wolfgang Preiß Hans Nadler
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