Leseprobe
Mit Fürst Günther I. auf dessen Jagdschlössern / 33 Die Pyrmont-Episode zeigt, dass Günther trotz seines Verzichts darauf, Böhler zur weiteren Ausbildung nach Dresden zu schicken, an der künstlerischen Entwicklung seines Schützlings interessiert war. Dabei dürfte der Fürst an Böhler, aber auch an die Profilierung seines Fürs- tentums gedacht haben. Nachdem sich Böhler in Pyrmont die Kupferstecherei angeeignet hatte, hätte er – nach eventueller Bereitstellung der technischen Voraussetzungen durch den Fürsten – in Schwarzburg-Sondershausen als Kupferstecher wirken können. Doch kam die sich hier wage abzeichnende Vision von einer Kupferstecherwerkstatt in Arnstadt oder Son- dershausen mit dem Tod des Fürsten im November 1740 zum Erliegen. Mit Fürst Günther I. auf dessen Jagdschlössern Die Zugehörigkeit Böhlers zur Entourage des Fürsten Günther beschreibt Timme als eine für Böhler ideale Konstellation: »Gleich nach ihrer Zurückkunft [aus Pyrmont] nahm ihn der Fürst mit auf seine Jagdschlösser, wo er ihn überal begleiten muste, um das Wild in der Natur und im Leben noch genauer zu beobachten. Zugleich befal er auch allen seinen Jägern, ihn überal mit hinzunehmen, ihm alles zu zeigen, und zu erklären, und ihn hinzubringen, wo er nur selbst hin verlangen würde. Hier war es, wo er seine seltne jägermäßige Kenntnis von allen Arten und Stellungen und des Betragens des Wildes, bei einer jeden Gelegenheit, und zu einer jeden Zeit, lernte. Das war nun sein liebstes Studium, und oft lis er sichs nicht verdriesen, einen Hirsch einen ganzen Monat mit der größten Beschwerlichkeit und Gefahr, zu Gefallen zu gehen, um ihn in einer einzigen Stellung oder Lage zu bemerken, und seine Fährde auszumessen.« 188 Die hier beschriebene Orientierung und Wesensart Böhlers klingt in den »Bruchstücke[n]« ebenfalls an, wenn auch grundsätzlich und nicht bezogen auf eine bestimmte Situation in sei nem Leben: »Der Lieblings Gegenstand seines ewigen Studiums und seiner Kunst war der Hirsch, den er zu allen Jahreszeiten, in allen Stellungen, im Lager, auf der Flucht, im Trapp und Gange, bey der Aesung und auf der Brunst, bei der Begattung, und mit einem Worte, von der Geburt an und als Spießer, bis in sein hohes Alter, wenn er die Zierde des Waldes, mit 24. bis 30. Enden am Gewicht, stolz sein Rudel anführend, majestätisch einhertritt – beobachtete, studierte, zeichnete, mahlte und schnizte. Es giebt keine Stellung, Lage oder sonstige Ver- änderung dieses edlen Thieres, die Boehler nicht gezeichnet oder geschnizt hätte. In dieser Absicht hielt er sich oft Wochenlang in den an Rothwildpret reichen Wäldern bei Gehren auf dem Thüringer Walde auf, litt Hunger und Durst, und duldete ruhig Frost und Kälte, Hitze und Nässe, wenn er auf Beobachtung des Hirsches aus war.« 189 In der Erforschung der Geschichte der Jagd in Schwarzburg-Sondershausen hat die Regierungszeit Günthers bisher nur wenig Beachtung gefunden. 190 Umso eindrucksvoller ist Thieles Gemälde »Prospect bei Greußen mit Falkenjagd« von 1728 (Abb. 9), das eine Jagdge- sellschaft Günthers zeigt. 191 Wenn von Günthers Jagdschlössern die Rede ist, dürften damit vor allem das in den »Bruchstücke[n]« erwähnte Schloss Gehren 192 und das von Günther I. errichtete Jagdschloss »Zum Possen« 193 bei Sondershausen gemeint sein. Darüber hinaus verfügte Günther über zahlreiche kleinere Jagdhäuser. In Günthers Privatbibliothek 194 befan- den sich auch einige die Jagd betreffenden Werke, so »Der vollkommene teutsche Jäger« des kursächsischen Oberforst- und Wildmeisters Johann Friedrich von Flemming (1670–1732) in
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