Leseprobe

Herzoglich Gothaischer »Hof-Kunst-Figuren-Schneider« / 67 dieser meiner Geschicklichkeit von denen Bildhauern unter vorwand daß ich solche nicht ex professio erlernet, beständig angefeindet, und, da mir ietzo durch einen avantayeuse Heyrath helffen könnte, gedrücket und gehindert werde; So nehme ich Ew. Hochfürstl. Durchl. als meinen gnädigen Landes Herrn hohen Hulde in submissister devation meine Zuflucht, mit unterthänigster Bitte, Höchst Dieselben geruhen in Betracht daß ich als ein unterthänigstes Landes Kind, alles was ich vermag, zu meiner gnädigsten Landes Herrschaft Befehl anzu- wenden wünsche, und dadurch mein Glück poussirt, auch ich zu excolirung deßen, was ich in der Bildhauerey begriffen und gezeiget desto mehr ausgefüret würde, in höchsten Gnaden mir das Praedicat eines Hoff-Bildhauers oder sonst beliebiges beyzulegen. Da ich solche Landes- väterl. Hulde und Gnade zeitlebens mit unterthänigsten Dank erkennen werde, in submisses- ten Respect verharrend Gotha, Ew. Hochfürstl. Durchl. den 15. Decbr. unterthänigster 1742. Johann Friedrich Böhler.« 240 Da Böhler dieses Schreiben in Gotha verfasste, dürfte er auch diesmal persönlich bei Hofe vorstellig geworden sein. Wieder überreichte er eine Schnitzerei, und schon am selben Tag erhielt er »vor ein in Elffenbein sauber ausgeschnittenes Jagd-Stück, so für die Fürstl. Kunst- Cammer gegeben worden«, 241 25 Gulden und 3 Groschen. Am 19. Dezember ordnete der Her- zog an, Böhler »in Ansuchung seiner durch viele verfertigte Arbeit, und praesentirte Stücke erwiesener Geschicklichkeit das Praedicat als Hoff-Kunst-Figuren-Schneider« 242 zu erteilen und ein diesbezügliches Dekret auszustellen. Der Gothaische Hofkalender verzeichnete Böhler fortan in der Rubrik »Zum Bau-Amt gehörige Hof-befreyte Künstler und Handwerker« als »Johann Friedrich Böhler, Hof-Kunst-Figuren-Schneider«. 243 Zwei Gründe, die Böhler zur Untersetzung seines Anliegens aufführt, geben einen indirek- ten Einblick in seine Lebensumstände. Deutlich wird, dass er sich einerseits im Zusammenhang mit einer beabsichtigten (und 1743 realisierten) Eheschließung durch einen Titel gesellschaftlich besser stellen wollte und sich andererseits als Naturtalent ohne Berufsabschluss gegen den Konkurrenzneid ausgebildeter Bildhauer zu wehren hatte. Interessanterweise erhielt Böhler nicht den erbetenen Titel eines Hofbildhauers, vermutlich weil er keine diesbezügliche Ausbildung abgeschlossen hatte und man die Fachschaft der Bildhauer nicht verärgern wollte, sondern den wohl extra für ihn geschaffenen und seinem Zweck nicht weniger dienlichen Titel eines Hof- kunstfigurenschneiders, der den Charakter seiner künstlerischen Arbeit korrekt umschrieb. Am 25. April 1743 wandte sich Böhler von Arnstadt aus schriftlich an den Herzog, um sich für die Verleihung des Titels zu bedanken, wobei er seinen Dank mit einer Gratulation zum Geburtstag verband und wiederum ein Werk – wohl eine Gruppe von Figuren – übersandte: »und weile Ew. Hochfürstl. Durchl. höchsterfreulichstes Geburths Fest zu Trost aller treuen Unterthanen an heute erschienen; Alß habe nebst einem vorhero zu GOTT dem Allmächtigsten angeschickten Gebeth und unterthänigster Anwünschung alles Hoch. Fürstl. Wohlseyns und beständiger Gesundheit; mit dem herzinnigsten Gebeth, daß GOTT der Höchste Ew. Hochfürstl. Druchl. Hohes Geburths Festin biß in das späteste Alter sehen laßen; gegenwärtige geringe Invention in äußerster devotion überreichen, und biß zur Gruft verharren zu wollen«. 244 Am 29. April ordnete der Herzog an, »dem Hof-Kunst Figuren Schneider Böhler wegen einiger offerirter Kunst-Stücke« 6 Gulden und 18 Groschen zu zahlen. 245 Noch am gleichen Tag be- stätigte Schilbach die Übernahme der Objekte durch die Kunstkammer und ihre Eintragung ins Inventar. 246 Die Kammerrechnung vermerkt die Zahlung unter demselben Datum. 247 Böhler quittierte am 1. Mai den Erhalt des Betrages »wegen Einreichnung von Elfen Bein geschnidtnen Figuren und mit Holtz bekleidet«. 248

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