Leseprobe
66 / In den »Bruchstücke[n]« wird das Interesse des Weimarer Herzogs an Böhlers Schnitzereien konkretisiert: »Sämtliche Stellungen der Hirsche, in Holz gearbeitet, sind zweimal nach Wei- mar vom Herzog bestellt worden, und hat der Verfertiger für jedes Stück einen Ducaten er- halten.« 233 Demzufolge hätte der Weimarer Herzog zwei Folgen der von Böhler (später in 42 verschiedenen Stellungen) angebotenen Hirschfiguren erworben. Die o. g. Lieferungen nach Weimar müssten zwischen 1740 und 1748, nach Böhlers Übersiedlung nach Arnstadt und vor dem Tod des Herzogs, erfolgt sein. Herzoglich Gothaischer »Hof-Kunst-Figuren-Schneider« Wenn Böhler nach seinem Abgang vom Sondershäuser Hof auch keine Bestallung bei Hofe mehr anstrebte, wusste er doch – wie der den Weimarer Hof betreffende Vorgang belegt – die thüringischen Höfe als Absatzmarkt zu schätzen, ebenso das Renommee, das künstlerische Arbeit für diese Höfe und darauf bezügliche Titel bewirken konnten. Von Arnstadt aus war es naheliegend für ihn, sich wieder dem Gothaer Hof zuzuwenden, dabei an das frühere Interesse, das Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha ihm entgegengebracht hatte, anzuknüpfen und dessen Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Herzog Friedrich III. wies am 28. August 1742 eine Zahlung an »Johann Friedrich Böhler von Ichtershausen vor einen künstlich gestalteten Triumph-Wagen« 234 an. Johann Christian Schilbach (1708–1757), seit 1741 als Nachfolger seines Vaters für die Kunstkammer 235 zu- ständig, quittierte für den Empfang des Gegenstandes und J. G. Günther für die Registrierung im Inventar der Kunstkammer. 236 Am gleichen Tag vermerkte die Kammer die Zahlung von 27 Gulden und 9 Groschen »vor ein künstlich ausgearbeitetes klein Triumph Wäglein, welches in Fürst. Kunst-Cammer gegeben worden« an »Johann Friedrich Böhler aus Ichtershausen«. 237 Dass Böhler noch an diesem Tag in Gotha für den Erhalt des Betrages quittierte, legt nahe, dass er sich persönlich beimHerzog in Erinnerung gebracht, diesem eine Schnitzerei überreicht hatte und dafür honoriert worden war. 238 Dabei dürfte er als Gothaisches »Landeskind« auf- getreten sein, zumal im Laufe des Vorgangs seine Herkunft aus Ichtershausen mehrfach Er- wähnung gefunden hat. Bei der im August 1742 in die Gothaer Kunstkammer gelangten Arbeit muss es sich um jenes Stück gehandelt haben, dass in den Gothaer Kunstkammer-Inventaren als »Apollo aus Elfenbein mit einem Zweigespann aus Holz auf einem niedrigen Fußgestell« 239 nachweisbar ist. Am 15. Dezember 1742 wandte sich Böhler wieder an den Herzog, diesmal mit dem folgenden Schreiben: »Durchlauchtigster Herzog Gnädigster Fürst und Herr Ew. Hochfürstl. Durchl. geruhen in höchsten Gnaden zu vermercken, daß Dieselben als ein unterthänigstes Landes Kind in tiefster Submission anzugehen und vorzustellen mich unter- winde. Wie zwar von Profession ein Zimmer-Geselle, durch das aber von Gott mir verliehene gute Talent vor mich ohne Anweisung soweit gebracht, daß in der Bildhauerey mich hervor zu thun und davon unterschiedene Proben Ew. Hochfürstl. Durchl. als meines gnädigen Landes Herrn zu hoher approbation zu überreichen die Gnade gehabt. Nachdem nun ietzo wegen
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