Leseprobe
Der 28. November 1740 und die Folgen / 65 Der Regierungswechsel von 1740 machte sich im Personalbestand des fürstlichen Hofes bemerkbar. Wie in solchen Fällen üblich, brachte der neue Fürst einen Stab von Vertrauten mit und besetzte Schlüsselpositionen neu. Während diverse Personen, die unter Günther gedient hatten, auch unter Heinrich imAmt blieben und zum Teil noch unter dessen Nachfolger Christian Günther in den Bestallungslisten zu finden sind, verließen andere den Hof. Böhler zog es vor, sich vom Sondershäuser Hof zurückzuziehen. Er ließ sich in Arnstadt als »freier« Bild- schnitzer und Bildhauer nieder. Auch Törnberg verließ Sondershausen und unterhielt fortan eine Werkstatt in Arnstadt. Am Sondershäuser Hof war in den folgenden Jahren ein Hofbildhauer namens Johann Georg Anhalt (um 1686–1766) tätig, der schon vor Heinrichs Regierungsantritt in Keula in dessen Dienst gestanden hatte. 230 Anhalt, über dessen Herkunft bisher nichts bekannt ist, war von 1741 bis 1766, also noch zu Christian Günthers Zeiten, Hofbildhauer. Da er 1766 achtzig- jährig starb, muss er um 1686 geboren worden sein. Die wenigen über ihn verfügbaren Infor- mationen beziehen sich neben Materiallieferungen auf Arbeit an Möbeln, Drechslerarbeit und Reparaturen an Holzskulpturen. 231 Da Böhlers Situation offenbar bekannt war, interessierte sich Herzog Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach (Abb. 40) für ihn. Dieser »wendete zwar alles an, ihn nach Weimar in seine Dienste zu ziehen: allein da Böhler glaubte, daß er nie wieder einen so gütigen Herrn erhalten würde, als den er verloren hatte: so wollte er gar keinemmehr dienen«. 232 Das Inter esse des Weimarer Herzogs ist auch vor dem Hintergrund der Tatsache zu sehen, dass Ernst August I. sich als Mitregent seines Vorgängers gegen die Präsenz von Heinrich in Sachsen- Weimar positioniert hatte. Es dürfte ihm ein Bedürfnis gewesen sein, einen von Heinrichs Hof abgegangenen Künstler wie Böhler an sich zu binden, noch dazu, wenn es sich um einen Künstler handelte, der Tier- und Jagdmotive bevorzugte. Ernst August I., der das Jagdschloss Belvedere und das Dornburger Rokokoschloss erbauen ließ, war für seine Jagdleidenschaft bekannt. Er, der sich 1100 Hunde und 373 Pferde hielt, dürfte von Böhlers Motivrepertoire besonders angetan gewesen sein. Abb. 40 Martin oder Johann Martin Bernigeroth Herzog Ernst August I. von Sachsen- Weimar-Eisenach (Schlossmuseum Sondershausen Po 345)
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