Leseprobe
Neue Arbeitsfelder als Holz- und Steinbildhauer / 99 Törnberg und des Bildschnitzers Böhler behoben. Wenn Zimmermann für seine Kirche einen Taufengel benötigte, war es für ihn naheliegend, sich an Böhler zu wenden, während ihm Törn- berg nicht persönlich bekannt gewesen sein dürfte. 3. Stilistisch kann es sich keineswegs um ein Werk von Törnberg handeln, während eine Zuschreibung an Böhler infrage kommt. Hin- gewiesen sei hier nur auf zwei an Böhlers Werken mitunter zu beobachtende Besonderheiten – die manieristische Überlängung der Figur und die betont expressive Gestaltung, die dem Engel eine entrückte, sphärische Erscheinung gibt. Epitaph van Bergen (1767, ehemals Himmelfahrtskirche Arnstadt, jetzt Schlossmuseum Arnstadt) Das Epitaph der Augusta Antonette van Bergen (16. 7. 1698–28. 12. 1765) (Abb. 66) wurde von Böhler 1767 geschaffen. 333 Die Verstorbene entstammte einem braunschweigischen Adels geschlecht, war als Zögling von Auguste Dorothea von Braunschweig-Lüneburg, der Gemahlin von Anton Günther II., an den Arnstädter Hof gekommen und hier erzogen worden. Später hatte sie der Fürstin bzw. Fürstin-Witwe als Hofdame gedient. Das von Böhler gefertigte Epitaph wurde ihr zum Gedenken an eine Stiftung von 1000 Reichstalern an das Arnstädter Waisenhaus (1765) gewidmet. 334 Böhler dürfte diesen Auftrag erhalten haben, weil er sich durch sein Epitaph für den Pfarrer Zimmermann als hierfür befähigt erwiesen hatte. Am Epitaph van Bergen, kom- binierte er wie schon am Epitaph Zimmermann figürliche, ornamentale und skriptuale Motive überzeugend, diesmal aber auf andere Weise: Auf einem obeliskenhaften Konstrukt als archi- tektonischem Grundmotiv dominiert die durch schmale C-Schwünge gefasste Schriftkartusche.
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