Leseprobe
118 Corinna Wobbe bäude, darunter neben Produktionsgebäuden auch Verwal- tungs- und Sozialgebäude, oder technisch-maschinelle Anlagen und Ausstattungen. Während also eine Datenbankabfrage über das Ausweisungsmerkmal »Technisches Denkmal« vordringlich der schnellen statistischen Quantifizierbarkeit dieser einen Denkmalgruppe dient – zur Zeit sind hierüber ca. 7 800 Da- tensätze 17 zu ermitteln –, ermöglichen Freitextsuchen und vor allem auch sachbegriffbasierte Abfragen eine quantitativ und qualitativ vielschichtigere Recherche zu den Denkmalen inner- halb dieser Gattung. Damit sind die in der Datenbank erfassten Sachzeugnisse der Technik-, Produktions-, Verkehrs-, Vermes- sungs- sowie Ver- und Entsorgungsgeschichte – unabhängig vom Ausweisungsmerkmal und damit nicht der bereits disku- tierten Engfassung unterworfen – in ihrem vollen Umfang re- cherchierbar. Allerdings werden mit Hilfe dieser Datenbankabfragen nicht Denkmale, sondern immer nur Denkmaldatensätze ab- gefragt. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass gerade bei technischen Denkmalen häufig mehrere Denkmale in einem Datensatz – dem sogenannten Einzeldenkmaldokument – zu- sammengefasst sind, etwa bei großen Fabrikarealen wie dem ehemaligen Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel in Aue, weit- läufigen Versorgungsstrukturen wie dem Pumpspeicherwerk Niederwartha bei Dresden (Abb. 3) oder komplexen Schacht- anlagen wie der Reichen Zeche in Freiberg mit über- und un- tertägigen Bestandteilen. 18 Gegebenenfalls können sich die Anlagen auch in den für große Ensembles übergeordnet ange- legten Sachgesamtheitsdokumenten verbergen, ohne in Ein- zeldokumentationen Erwähnung zu finden. Andere, ähnlich umfangreiche Zeugnisgruppen sind hingegen mit etlichen ei- genständigen Datensätzen erfasst, so etwa die Sachgesamthei- ten der »Alten Baumwolle« in Flöha, 19 des Kalkwerks Lenge- feld 20 oder auch des Leipziger Hauptbahnhofs. 21 Ob nun Denkmale eines Produktionsstandortes oder anderweitig räumlich-funktional zusammenhängende Sachzeugnisse in einem Datensatz oder in mehreren Einzeldenkmaldokumenten in der Datenbank abgelegt wurden, blieb dem jeweiligen Er- fasser überlassen. Die resultierenden Unterschiede in der Struktur der Daten- sätze führen zu statistischen Ungenauigkeiten, doch erscheinen speziell jene gemeinsamen Datensätze fragwürdig, denen jegli- che Bezüge fehlen. So sind speziell unter bergbaugeschichtli- chen Denkmalen neben der datenbanktechnischen Einzelob- jekterfassung durchaus noch Beispiele einer gemeindeweisen Erfassung in einem einzigen Datensatz zu finden. 22 Zwar räum- lich und – frei nach dem Motto »Alles kommt vom Bergwerk her« – im weitesten Sinne auch funktional zusammengehörig, ist diese datenbanktechnische Vereinigung nicht nur statistisch problematisch, sondern verkennt auch die eigentlichen funkti- onalen, organisatorischen und zeitlichen Einheiten innerhalb eines Bergreviers. Umgekehrt können mehrere Datensätze einem einzigen Denkmal zugehörig sein, etwa bei gemeindeübergreifenden Denkmalen wie großen Brückenbauwerken oder auch ausge- dehnten bergbauwasserwirtschaftlichen Anlagen wie Kunstgrä- ben oder dem Rothschönberger Stolln (Abb. 4, 5) . 23 Aus ver- waltungstechnischen Gründen werden in diesem Falle die jeweils auf dem Gebiet einer Gemeinde befindlichen Teile in eigenständigen, aufeinander verweisenden Einzeldenkmaldo- kumenten erfasst. Die über Datenbankabfragen ermittelten Denkmalzahlen sind in ihrer Absolutheit also nur bedingt belastbar. Dazu kommt zu einem geringen Teil noch eine nicht konsequente Handhabung des Ausweisungsmerkmals »Technisches Denk- mal«, wie eine stichprobenhafte Prüfung der Denkmalliste 2018 zeigte. So wurden in der Vergangenheit etwa jene Produktions- anlagen, die keinerlei technische Ausstattung mehr aufwiesen, häufiger nicht als technische Denkmale ausgewiesen – ein Um- stand, der einmal mehr auf den immer noch nachwirkenden architekturhistorischen Fokus der frühen sächsischen Denk- Abb. 3 Pumpspeicherwerk Dresden-Niederwartha, Ansicht von Nordosten, links das Krafthaus, im Vordergrund eine von der Um- spannanlage abgehende Überlandleitung, im Hintergrund die Rohrbahn zum Oberbecken mit drei Wasserschlössern zum Aus- gleich von Druckschwankungen, 2015. Abb. 4 Elstertalbrücke bei Jocketa, Ansicht von Norden, Viadukt zur Überführung der Bahnstrecke Leipzig – Hof über das Tal der Weißen Elster, nach der Göltzschtalbrücke als zweitgrößte Ziegel- steinbrücke der Welt geltend, links im Bild die unter der Brücke hindurchführende Strecke der Elstertalbahn, 1929.
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