Leseprobe

Veranstaltungen und Berichte 135 Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative »Viadukt e. V.«, und Susann Holtorp, Deutsche Bahn AG – Projekt Chemnitzer Bahnbogen, die Gruppe. Das 1901 im Zuge der Hauptstrecke Dresden-Werdau (heute: Sachsen-Magistrale) über die Anna- berger Straße, den Chemnitzfluss und die Beckerstraße geführ- te Viadukt aus genieteten Flussstahlprofilen gehört zu den herausragenden technischen Denkmalen im Freistaat Sachsen. Die imposante, gut 275 Meter lange Stahlfachwerkkonstruk­ tion à la Eiffelturm ist eine stadtbildprägende Kostbarkeit für das »Sächsische Manchester«. Der aus einer Bürgerinitiative hervorgegangene Verein »Viadukt e.V.« kämpfte seit dem Jahr 2013 um die Rettung des Chemnitzer Eisenbahnviaduktes. Die Deutsche Bahn AG (DB AG) als Eigentümerin der Brücke plante, diese abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Dem Verein ist es durch beispielloses Engagement, mit Mut, Kreativität und Sachverstand im Verbund mit Stadtrat, Stadt- verwaltung, den Denkmalbehörden und anderen Initiativen gelungen, dass die DB AG im Jahr 2018 durch das Eisenbahn- bundesamt verpflichtet wurde, das Bauwerk zu erhalten, zu ertüchtigen und denkmalgerecht zu sanieren. Das technische Denkmal Chemnitztalviadukt wird dank des Vereins auch künftig als Zeugnis für die Stahlbaukunst um das Jahr 1900 erhalten bleiben und zugleich den aktuellen Anforderungen des Bahnverkehrs gerecht werden. An allen Stationen der Fahrt, die von Medienvertretern rege wahrgenommen wurde, war zu erkennen, wie stark die Ent- wicklung Sachsens von Produktion, Verkehr und Industrie geprägt wurde und wie vielfältig das technische und industri- elle Erbe hier erhalten ist. »Die technischen Denkmale sind in einer Zeit der wirtschaftlichen Blüte Sachsens entstanden und zeugen heute noch von dieser Tradition des Freistaates. Denk- male sind wichtige Identifikationsobjekte, die den Menschen Vertrautheit und Heimatgefühl vermitteln. Kulturdenkmale sind auch wichtige Standortfaktoren«, betonte Staatsminister Schmidt. »Allerdings sind all diese Bemühungen nichts ohne die Menschen, die sich für Denkmale engagieren, die um ihre Erhaltung kämpfen oder mit Ideenreichtum und Engagement für neue Nutzungen sorgen«, so Schmidt weiter. Anmerkungen 1 Nähere Informationen zum Schauplatz Eisenbahn Chemnitz-Hil- bersdorf und den dort tätigen Vereinen unter: www.schauplatz- eisenbahn.de , 28. 2. 2021. 2 Nähere Informationen zu Geschichte, Entwicklung und Idee der Alten Baumwolle Flöha unter: https://baumwolle-floeha.de, 28. 2. 2021. 3 Nähere Informationen zur Schönherrfabrik Chemnitz unter: www. schoenherrfabrik.de, 28. 2. 2021. 4 Auf der Internetseite der Bürgerinitiative »Viadukt e.V.« sind die zahlreichen Aktivitäten dokumentiert: https://viadukt-chemnitz.de, 28. 2. 2021. Informationen der DB AG zum Chemnitzer Bahnbogen unter: https://bauprojekte.deutschebahn.com/p/chemnitzer-bahn- bogen, 28. 2. 2021; vgl. auch Bericht vom Deutschen Preis für Denkmalschutz 2020 in diesem Buch, S. 144. Abbildungsnachweis 1, 5 Sabine Webersinke, LfD Sachsen; 2 Viktoria Donie, SMR Sach- sen; 3 Ticoncept-GmbH; 4 Wolfgang Junius, LfD Sachsen. Pressevorstellung des DBU-Forschungs­ projektes zum Einfluss des Klimawandels auf Denkmale am 28. August 2020 in der Schlosskirche Augustusburg Christine Kelm, Thomas Löther Der Sächsische Staatsminister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt lud am 28. August 2020 zu einem viel Echo hervor- rufenden Pressetermin in die Schlosskirche Augustusburg ein, um das laufende Forschungsprojekt »Schadensrisiko für Kul- turgut aufgrund zu geringer relativer Luftfeuchte in Innenräu- men von national wertvollen Kulturgütern« vorzustellen. Inzwischen machen sich Hitze- und deutlich längere Tro- ckenperioden im Sommer auch in historischen Gebäuden be- merkbar. Waren bisher zu hohe Luftfeuchten das Problem, werden jetzt in Innenräumen immer öfter kritische Werte unter 40 Prozent gemessen. Diese geringen Luftfeuchten sind eine Gefahr für zahlreiche Kunstgattungen aus organischen Materi- alien, wie Leinwandgemälde, Papier- und Ledertapeten sowie gefasste Holzoberflächen, aber auch Wandmalereien. Sie kön- nen zu irreversiblen Schäden wie beispielsweise Rissbildung, Lockerung und Substanzverlust der Farbfassung führen. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten gemeinsamen Forschungsprojektes 1 der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien [KDWT], Prof. Dr. Paul Bellendorf, Dr. Kristina Holl) und des Instituts für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V. (IDK, Dipl.-Ing. [FH] Thomas Löther) werden die klimatisch bedingten Veränderungen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf Denkmale anhand einer nationalen Umfrage erfasst und ausgewertet. Der Projekt- zeitraum erstreckt sich vom 1. März 2020 bis 1. September 2021. In Sachsen werden vier Objekte, die zukünftig besonders durch eine langfristige Trockenheit geschädigt werden können, als Fallbeispiele näher untersucht: „ Schloss Moritzburg, barocke Ledertapeten: Die Wandtape- ten stellen den weltweit größten in situ erhaltenen Bestand barocker Ledertapeten dar. Elf der ursprünglich 60 Räume im Schloss sind noch mit der originalen Wandausstattung erhalten. Die Goldledertapeten wurden in den letzten Jahren aufwendig saniert und zeigen erneut erste Schäden in Form von Verfor- mungen, welche auf die extremen Hitzeperioden zurückzufüh- ren sind. „ Schloss Augustusburg, Schlosskapelle mit Altar und Kanzel aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. J.: In der Schlosskirche bilden der Cranach-Altar und die Cranach-Kanzel von 1572 zentrale Ausstellungstücke. Von Lucas Cranach dem Jüngeren gemalt, zeigt das raumbestimmende Sakralbild in zeitgemäßer Renaissance-Ausstattung das einzig erhaltene Familienbildnis mit Kurfürst August. Nach siebenjähriger Restaurierung wurde der Altar unter anderem mit einer »Klimabox« ausgestattet, um eine Klimapufferung der Rückseite zu erreichen.

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