Leseprobe

Marienglas in feinen Sprossen 7 (Abb. 3) . Diese war nicht nur in ihrer steinernen Rahmung erhalten, sondern im unteren Teil der Öffnung waren Reste eines Holzfensters vermauert. Bei diesem singulären Fund han- delt es sich um einen Holzrahmen, in den in feinen hölzernen Sprossen Marienglas gefasst ist (Abb. 4) . 7 Marienglas, das auch als Frauenglas, Spiegelstein oder Sele- nit bekannt ist, wird eine besondere Varietät des Minerals Gips genannt. 8 Die großen Kristalle sind nahezu durchsichtig und lassen sich in gleichmäßige, dünne Blättchen spalten. Marien- glas ist im Vergleich zu damals herstellbarem Glas frei von Luft- bläschen, weshalb es als Glasscheibenersatz für Reliquienschrei- ne und Bilder – hier auch Marienbilder – verwendet wurde, sodass der Name »Marienglas« gebräuchlich wurde. Bekannt ist, dass im antiken Rom Marienglas – hier als Lapis specularis bezeichnet – bei Prestigeobjekten für Fensterscheiben und Lam- pen verarbeitet wurde. 9 Im heutigen Sachsen gibt es keine Gips- vorkommen mit Marienglas; 10 jedoch ist die Marienglashöhle bei Friedrichroda in Thüringen bekannt. Abb. 3 Börtewitz, Kirche, Ansicht von Osten, mittig die Öffnung des früheren Lanzettfensters, 2020. Abb. 2 Börtewitz, Kirche, Ansicht von Süden mit Resten des früheren Zugangs, 2020. Abb. 5 Börtewitz, Kirche, Detail Lanzettfenster, 2020. Abb. 4 Börtewitz, Kirche, Ausschnitt Ostfassade während der Sanierungsarbeiten, 2011.

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