Leseprobe
6 Kanzel. Durch einen Brand Mitte des 20. Jahrhunderts und den daran anschließenden Wiederaufbau, der bis in die 1970er- Jahre währte, hat der Innenraum der Kirche heute ein verän- dertes Aussehen. Prägend ist die halbrund gewölbte Holzde- cke. 4 Eine Empore auf der Westseite wurde neu errichtet, der Innenraum ansonsten recht schlicht ausgestattet. Fensteröff- nungen wurden vereinheitlichend angeglichen, nicht mehr gebrauchte Öffnungen vermauert, z. B. der frühere Zugang zu den Emporen über außenliegende Treppen. Auch auf den Dachreiter wurde verzichtet. Über den alten Zustand schrieb Gurlitt um 1905: »Das was am Bau als stilistische Formen sich bemerkbar macht, weist nicht über den Anfang des 16. Jahrhunderts hinaus.« 5 – Hier ist der Fokus auf »sich bemerkbar macht« zu legen, denn 2011 kam während der Sanierung der Außenhülle der Kirche bei der Abnahme des Putzes ein Befund zum Vorschein, der sehr wohl stilistisch und handwerklich in das 13. Jahrhundert datiert. 6 Am geraden Chorschluss mit den heutigen zwei Fenstern wurde mittig eine vermauerte dritte Fensteröffnung gefunden Den Quellen zufolge wurde die Kirche Börtewitz von Cecilia, 1 der Witwe des Edlen Tammo von Mahris 1268 mit Bewilli- gung des Abts Heinrich von Buch erbaut und dotiert. Cecilia und ihre Söhne erhielten das Patronatsrecht, welches sie 1297 dem Kloster Buch übertrug, da ihre Söhne als Erben früh gestorben waren. 2 Die Kirche ist ein schlichter, rechteckiger Bau mit Sattel- dach und geradem Chorschluss (Abb. 1) . Der Eingang befindet sich auf der Nordseite und wird durch ein rundbogiges Portal aus Rochlitzer Porphyr betont, dessen Formensprache in das 16. Jahrhundert verweist. Der bauzeitliche Eingang auf der Südseite zeigt sich heute als Befund durch Sichtfenster im neu- en Putz (Abb. 2) . In der »Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen« wird das Aussehen der Kirche um 1900 beschrieben und mit historischen Aufnah- men von innen und außen belegt. 3 Die Bilder zeigen eine Kir- che mit gefasster Flachdecke, Längsunterzug und Stütze sowie zahlreichen Einbauten wie Seitenempore, Chorempore oder Abb. 1 Börtewitz, Kirche, Ansicht von Norden, 2020. Thomas Noky, Carola Zeh Marienglas in feinen Sprossen Zum mittleren Lanzettfenster im geraden Chorschluss der Kirche zu Börtewitz
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