Katalog
184 Die Radikalisierung der Polizei im Krieg Polizei und Zwangsarbeit Mit fortschreitender Kriegsdauer war das Deutsche Reich auf immer mehr Arbeitskräfte für die Wirtschaft angewiesen. Ab 1942 waren insgesamt mehr als acht Millionen Zivilarbeiter und vier Millionen Kriegsge fangene im Deutschen Reich vor allem in Rüstungs betrieben, in Bauprojekten und in der Landwirtschaft im Einsatz. Die Gestapo reglementierte mit Erlassen und Vor- schriften die Arbeitsverhältnisse und den Umgang der Zwangsarbeiter mit der deutschen Bevölkerung. Beson- ders schlimm waren die Bedingungen für die Zwangs- arbeiter aus Osteuropa: Sie standen am unteren Ende der Hierarchie des Rassismus. Zwangsarbeiter, die sich den Vorschriften widersetz- ten, wurden von der Polizei in Arbeitserziehungslager eingewiesen. Diese Lager unterstanden der Geheimen Staatspolizei, das Wachpersonal stellte die Ordnungs- polizei. 210 Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion vor der Deportation nach Deutschland Schepetowka, September 1943 / Fotoreproduktion / Berlin, bpk – Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte, 30002655 Allein in Polen und der Sowjetunion rekrutierten die deutschen Besatzer mehrere Millionen Menschen zur Zwangsarbeit. Sie wurden von der Polizei bei Razzien festgesetzt und unter schwerer Bewachung mit dem Zug nach Deutschland verschleppt. Die Transporte in den Viehwaggons dauerten oft mehrere Tage, an denen die Menschen nur wenig Verpflegung erhielten. 211 Registrierung von Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion im Durchgangslager Wilhelmshagen Gerhard Gronefeld (1911– 2000) / Wilhelmshagen, 12. Dezember 1942 / Fotoreproduktion / Berlin, Deutsches Historisches Museum, BA GG 421/15 Durchgangslager dienten der Registrierung und der Verteilung neu ankommender Zwangsarbeiter auf Be- triebe in der Region. In den Lagern, die den Arbeits ämtern unterstanden, mussten sich die Zwangsarbeiter einer Desinfektion unterziehen. Mitarbeiter der Arbeits- ämter registrierten sie anschließend und stellten ihnen Arbeitspapiere aus. 212 n Abzeichen von Zwangsarbeitern zwischen 1942 und 1945 / Baumwolle, bedruckt, 7×6 cm / Berlin, Deutsches Historisches Museum, A 93/13 Der Einsatz von Zwangsarbeitern aus der Sowjetunion wurde vom Reichssicherheitshauptamt in den 1942 herausgegebenen »Ostarbeiter-Erlassen« geregelt. Sie schrieben die Kennzeichnung der ›Ostarbeiter‹ vor. 212
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