Katalog
57 Der Baubeginn des nördlichen Seitenschiffs der Frankfurter Marienkirche ist nicht überliefert, 27 doch legen Details wie Gewände und Vorlagenprofile nahe, dass mit dessen Errichtung noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts begonnen wurde. Dabei kann das wohl größtenteils um 1400 ausgeführte prächtige Gewändeportal im westlichsten Joch der nördlichen Schaufassade nicht mehr für eine Ein- ordnung des Baubeginns in Anspruch genommen werden (Abb. 8), 28 da es nachträglich hier eingefügt wurde. Vielleicht gehörte es zu einem ursprünglich im zweiten Langhausjoch nachweisbaren Kapel- lenanbau und könnte bei dessen Abbruch, als die neue Seitenschiffwand bereits aufgerichtet war, an seinen heutigen Platz versetzt worden sein. Neben der ambitionierten Giebelwand erhielt das neue nördliche Seitenschiff kombinierte Stern- und Parallelrippengewölbe, die zu den innovativsten Gewölbefigurationen der Mark gezählt werden dür- fen, jedoch infolge der umfangreichen Kriegsschäden 1966 einstürzten. 29 Wie die dreibahnigen Paral- lelrippengewölbe der Luckauer Nikolaikirche könnten auch die Frankfurter Gewölbe um 1430 oder bald danach entstanden sein. 30 Das kurz nach der Mitte des 15. Jahrhunderts begonnene südliche Seitenschiff folgt in der Giebel gestaltung zwar dem Vorbild der nördlichen Schaufassade. Die unbefriedigende Einpassung in die Jochabstände und der fast vollständige Verzicht auf Formsteine lässt diese Schildwand jedoch um einiges bescheidener erscheinen. Hier haben sich indes Hinweise auf eine Bemalung der Putzblenden mit Heiligendarstellungen erhalten. Die retrospektive Erscheinung der südlichen Seitenschiffswand mit ihren Dreifenstergruppen könnte eine Reminiszenz an die bei der Erweiterung aufgebrochenen Langhausfassaden des späten 13. Jahr- hunderts sein. Die einfachen Kreuzrippengewölbe des südlichsten Seitenschiffes sitzen auf figürlichen Kämpferkonsolen, von denen einige aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen, während es sich bei Abb. 8 St. Marien , Südansicht mit Sakristei
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