Katalog
58 anderen um Spolien des 14. Jahrhunderts handelt. Die um ein weiteres Seitenschiff vergrößerte Ma rienkirche bot nun größeren Raum für liturgische Stiftungen und Altarstiftungen sowie künstlerische Ausstattung. Die Visitation von 1540 verzeichnet ganze 35 Altarlehen und überliefert einen wertvollen Kirchenschatz. 31 Auch das einer Inschrift zufolge 1489 vollendete Hochaltarretabel verweist auf die einst reiche bildkünstlerische Ausstattung (Kat.-Nr. 197). 32 Für das Jahr 1494 überliefert der Frankfurter Stadtschreiber Sigmund Oswald eine erneute Kirchweihe mit »aller Hand aufgelauffenen Kosten« von 32 Schock und 20 Groschen sowie einem Pfennig. 33 Doch bereits ChristianWilhelm Spieker überlegte in seiner »Beschreibung und Geschichte der Marien- oder Oberkirche«, ob hier nicht vielmehr eine erneute Ausweißung, also eine farbliche Fassung der Kirche gemeint war. 34 Die erneute Fassung könnte durch umfangreiche Reparaturarbeiten im Vierungs bereich erforderlich geworden sein, wo man die zwei langhausseitigen Vierungspfeiler regelrecht ummantelte und anscheinend mindestens den nördlichen Vierungsbogen neu aufführte. Auch für den folgenden Neubau der Sakristei fehlen schriftliche Quellen; allein die Inschriften mit den Daten 1521 und 1522 in den Schlusssteinen der dortigen Gewölbe sind ein Hinweis auf den Abschluss der Bauarbeiten. Bis zu diesemNeubau nutzte man offenbar die bereits erwähnte Sakristei aus der Zeit um 1300. Der ebenerdige zweigeschossige Bau wurde als dreijochiger Gewölbebau aus- geführt, doch zog man die dafür notwendigen Strebepfeiler nach innen, sodass der Sakristeianbau nach außen als Mauerblock in Erscheinung tritt (Abb. 9). Bei den kleineren, segmentbogigen Fens- teröffnungen des Erdgeschosses und den größeren, spitzbogigen des im Verlauf der Neuzeit als Mär- tyrerchor bezeichneten Obergeschosses verzichtete man vollständig auf gestufte Formsteinprofile und orientierte sich an zeitgemäßen, modernen Vorbildern. Für den Innenraum führte man in beiden Geschossen reiche achtzackige Sterngewölbefigurationen aus, in die wiederum ein achtzackiges Stern- motiv eingeschrieben wurde (Abb. 10 a, b, Abb. S. 337). Diese Figurationen sind eine Variation der offenbar gegen 1520 ausgeführten Gewölbe des Langhauses der Frankfurter Franziskanerkloster kirche, 35 die wie ihr Westgiebel wiederum spätgotische Vorbilder in Obersachsen rezipieren. In diese Richtung weist auch das virtuos in Sandstein gefertigte spätgotische Gewände des in den Chor füh- renden Sakristeiportals. Abb. 9 St. Marien , nördliches Portal des Langhauses Abb. 10a, b St. Marien , Blick in die Sakristei und Sakristei gewölbe. Lithografie, 1912
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