Katalog
59 Die zahlreichen mit Wappen und Hausmarken versehenen Schlusssteine des oberen Kapellenraumes, für den die Visitation von 1540 mehrere Altarlehen überliefert, sind Teil einer hierarchisch geordne- ten städtischen Gedächtnisikonografie (Kat.-Nr. 199). 36 Dabei ist das östliche Joch des lichten Ober- geschosssaales den Wappen der Landesherrschaft, dem des Bistums Lebus und dem der Stadt Frank- furt vorbehalten und in Beziehung zur himmlischen Herrschaft gesetzt. Immittleren Joch präsentie- ren sich die führenden Ratsfamilien der Stadt Frankfurt mit ihren Wappen, wie die Familien Wins, Buchholtzer, Schulz, Lüneburg und Hakemann. Im westlichen Joch sind schließlich die Hausmarken verschiedener Kaufleute und Handwerker dargestellt, die in ihrer Gemeinschaft den wirtschaftlichen Wohlstand der Stadt verkörperten. Welch besondere gestalterische Bedeutung die ungegliederte, flächige, ja geradezu monumentale Erscheinung der Sakristeifassade besaß, zeigen der bald darauf erfolgte Abbruch der gegenüber der Sakristei eingezogenen südlichen Querhauswand und deren Neubau in der Flucht der Sakristei. Die auf der Innenfassung an der Abbruchstelle der alten südlichen Querhauswand aufgebrachte Jahreszahl 1524 könnte den Zeitpunkt der Vollendung der Einwölbung des Gebäudeteils markieren. An diesen letzten Bautätigkeiten vor der Reformation wird deutlich, dass die Arbeiten an der Marien kirche bis zu diesem Zeitpunkt nicht zum Stillstand kamen. Sie zeigen exemplarisch den prozesshaf- ten Charakter der permanenten Erneuerung und Gestaltung eines mittelalterlichen Kirchenbaus durch umfangreiche Stiftungstätigkeiten, die wiederum von den großen finanziellen Möglichkeiten der Bürgergemeinschaft der wirtschaftlich erfolgreichen Stadt Frankfurt an der Oder künden. Anmerkungen 1 CDB I 23, S. 3 und Denkmaltopographie 2002, S. 18 f. 2 Bei archäologischen Untersuchungen konnten 2001 im Langhaus Fundamentreste festgestellt werden, die offenbar im Zusammenhang mit dem ersten Chor entstanden. Vgl. Wittkopp 2002, S. 132–133 und Wittkopp 2003, S. 68–69. 3 Das belegen dendrochronologische Daten. Für diese freundliche Auskunft danke ich Christian Nülken. 4 CDB I 23, S. 6 und Denkmaltopographie 2002, S. 56. 5 So war die heute rekonstruierte Rücklage wie bei den Vorbildern bereits ursprünglich mit Maßwerk versehen. 6 Vgl. Bad- stübner/Sachs 1987, S. 427 f. Der Boden des Sakristeianbaus lag zwei Meter unter dem Niveau des Chors. Der einge- tiefte Raum wurde erst im Zuge der Sanierung 1981 wieder freigelegt. 7 Vgl. Denkmaltopographie 2002, S. 295 und Badstübner 1989, S. 156. 8 Vgl. Badstübner/Hartmetz 1988, S. 8f. 9 Vgl. Reuß 1941, S. 40. Zwar geht Spieker davon aus, dass die neu gegründete Universität das Patronat an der Frankfurter Marienkirche erhielt (vgl. Spieker 1835, S. 129 f.), doch überliefert Teymlers Stadtbuch noch für das Jahr 1516 die landesherrliche Wahrnehmung der Patro natsrechte. Vgl. CDB I 23, S. 410. 10 Vgl. Fey 1981, S. 190, 219 und 220. 11 Vgl. CDB I 23, S. 26. 12 Vgl. Reuß 1941, S. 81 f. 13 Vgl. CDB I 23, S. 57, 60, 74, 77, 79. 84; Spieker 1835, S. 118 f. und Cante 2005, S. 14; Reuß 1941, S. 13 f. 14 CDB I 23, S. 379 und Cante 2005, S. 14. 15 Vgl. Badstübner 1982, S. 178, Badstübner/Hartmetz 1988, S. 13 sowie Nülken 2000, S. 223–227. Diese Annahme wurde unlängst infrage gestellt, s. Fait 2008, S. 222 f. 16 Der Rathenower Chor dürfte um 1352 begonnen und spätestens 1380 vollendet gewesen sein. Vgl. Bleis 2000, S. 218 f. und Schumann 2015, S. 10. Der Spandauer Chor erhielt dendrochronologischen Untersuchungen zufolge um 1369 sein Dachwerk. Vgl. Barth 2000, S. 167–182. 17 Siehe Badstübner/Sachs 1987, S. 424, 426; Raue 2008 I. 18 Vgl. Cante 2005, S. 17. 19 Spätestens seit der Ausführung der Rathausfassade in der ersten Hälfte des 14. Jh. war eine Steinmetzwerkstatt in Frankfurt (Oder) tätig. Vgl. auch Badstübner 1989, S. 165 f. und Badstübner 1990, S. 90 und 92 sowie den Beitrag von Deiters im vorliegenden Band. 20 Becman 1706, S. 54. 21 Jung 1912, S. 55. Die inschriftliche Jahreszahl wurde jedoch von keinem der vorangegangenen Autoren vermerkt. Becman 1706; Spieker 1835; Bergau 1885; Adler 1898. 22 Vgl. dazu auch den Beitrag von Raue im vorliegenden Band. 23 CDB I 23, S. 420. 24 Zur Ausmalung der Vorhalle vgl. den Beitrag von Raue im vorliegenden Band. 25 Vgl. Badstübner 1989, S. 156 f. und Badstübner 1990, S. 90. 26 Vgl. Cante 2005, S. 20. 27 So gibt es überhaupt kaum schriftliche Nachrichten zur Marienkirche aus dem 15. Jh. 28 Die bisherige Datierung in die erste Hälfte des 15. Jh. erfolgte offenbar im Zusammenhang mit der Datierung des nördlichsten Seitenschiffes. Vgl. Denkmaltopographie 2002, S. 64 und Cante 2005, S. 20. 29 Vgl. Cante 2005, S. 20. 30 Vgl. Schumann 2006, S. 16–23. 31 Vgl. Reuß 1941, S. 20–27. Zum Kirchenschatz s. CDB I 23, S. 419, 454 f. sowie Spieker 1835, S. 147 f. 32 Vgl. die Beiträge von Deiters und Knüvener im vorliegenden Band. 33 CDB IV 1, S. 344; sogenannte Memoraibilien des Staius. 34 Spieker 1835, S. 126 f. 35 Vgl. Denkmaltopographie 2002, S. 83 f. 36 Vgl. auch den Beitrag von Deiters im vorliegenden Band, S. 66.
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