Leseprobe

3 4  To p ogr a ph i e 2 S CHWE R I N · S CH L O S S Grundriss des Festsaals im Langen Haus des Schlosses Johann Joachim Busch (?) um 1760 Graphit · 35,7×20,8 cm · Papier (Blattkante o. unregelmäßig beschnitten) Wasserzeichen: Lilie imWappenschild mit Krone, darunter »4« als Marke und »WR« Signaturen und Beschriftungen: o.M.: »Der Kirchen Sahl« (J. J. Busch?); Maßangaben in Fuß und Zoll Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 7 Die Grundrissskizze bezieht sich auf den an die Schlosskirche stoßenden Festsaal im ersten Obergeschoss des Langen Hauses, der auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. 1 Sie schlägt einemit- tige Raumteilung bis zum zweiten seeseitigen Fenster vor, ferner eine abgetrennte Passage zur Kirchenempore sowie einen separaten Vorflur mit axialem Durchgang zum Bischofshaus. Stützende Mittelsäulen erhielt der Saal be- reits 1748 und 1754. 2 1760 wurde er auf Anwei- sung Herzog Friedrichs »in der Mitte, der Länge nach mit einer Bretterne Wand durchgeschau- ret«. 3 Der damit befasste Johann Joachim Busch fertigte möglicherweise auch den vorliegen- den Entwurf. 4 Ob eine Umsetzung in dieser Formerfolgte, kann bislang nicht geklärt werden. Die Existenz von Scheerwänden belegen jedoch Schriftquel- len von 1828 5 und eine teils abweichende Grund­ rissaufnahme 6 des Zustands vor dem Umbau »zu einemgroßen Speisesaal« durch Georg Adolf Demmler gegen 1840. 7 RW 1  Zur Geschichte des Raumes und seiner Bezeichnung als Kirchensaal im 18. Jahrhundert vgl. Weingart 2008, S. 14, 26, 55, Abb. 35, Anm. 244. 2  Weingart 2014, S. 19, 25, Anm. 42. 3  LHAS, 2.12-1/26-15 Fürstliche Schlösser und Häuser, Nr. 850, Promemoria von Johann Joachim Busch vom 16. Juni 1760. 4  Die Beschriftung spricht trotz Abweichungen in Ortho- graphie und Duktus imDetail eher für als gegen seine Au- torschaft. Vgl. LHAS, 2.12-1/26-15 Fürstliche Schlösser und Häuser, Nr. 850, Promemoria von Johann Joachim Busch vom 16. Juni 1760. 5  LHAS, 2.26-2 Hofmarschallamt, Nr. 1373, Schreiben von Carl Heinrich Wünsch vom 3. April 1828. 6  Überliefert durch 1931 datierte Umzeichnungen von Adolf Friedrich Lorenz, die auf verschollenen Bauaufnah- men von 1836/1838 beruhen, Weingart 2008, S. 9, Abb. 5, Anm. 7. 7  Demmler 2005, S. 54. Johann Friedrich Künnecke und das Schweriner Schloss Zu den Aufgaben Johann Friedrich Künneckes als fürstlicher Baumeister zählten auch der bau- licheUnterhalt der bestehendenResidenzschlös­ ser, die Begutachtung ihres Zustands, die Pla- nung und Durchführung von Reparaturarbeiten sowie im Falle des Schweriner Schlosses die Er- weiterung der vorhandenen Flügel, der Ausbau und die Erschließung neuer Wohnräume für den herzoglichen Kommissar und den Erbprinzen. Diese Erweiterungen wurden notwendig, nach- dem Christian Ludwig 1735 von Neustadt nach Schwerin übersiedelte. Im gleichen Jahr begutachtete Künnecke das aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammende Residenzschloss und stellte eine Reihe gravie- render Schäden fest, unter anderem an den Dä- chern und an den Arkaden im Innenhof. 1735/36 war Künnecke mit den Entwürfen für den Anbau eines neuen Treppenhauses an der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Schloss­ kirche beschäftigt. Über dieses Treppenhaus, das auf älteren Mauerresten errichtet werden sollte, war die Erschließung der über der Schloss- kirche liegenden Räume des Administrators und seines Sohnes geplant. Zu diesem Projekt sind im »Planschatz« mehrere Blätter enthalten, die die unterschiedlichen Phasen und die Änderun- gen während der Planung detailliert abbilden. Dieser Bau wurde nicht realisiert. An seiner Stelle entstand kurze Zeit später – und vielleicht bedingt durch den Tod Künneckes im Jahr 1738 – der in Fachwerk errichtete Galeriebau für die Ge- mäldesammlung Christian Ludwigs. Für die Ausstattung einiger Schlossräume in Schwerin, wohl die über der Schlosskirche ge- legenen neuen Zimmer, legte Künnecke verschie- dene Kaminentwürfe vor, von denen sich meh- rere Skizzen und Detailzeichnungen im »Plan- schatz« befinden. Nach der durchgreifenden Umgestaltung im 19. Jahrhundert blieben einige dieser von Künnecke entworfenen Kamine er- halten und fanden ihren Platz in der historisti- schen Neuausstattung der Innenräume. Das Anfang der 1740er Jahre errichtete Lust- haus auf der Nordostbastion geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf Planungen Künneckes zurück, wie aus einigen sich auf dieses Projekt beziehenden Blättern im »Planschatz« zu schlie- 2

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