Leseprobe

H e i l i ge s Röm i s ch e s R e i ch | Kur für s t en t um B r aun s chwe i g - L üne burg  3 19 285 HE I L I GENROD E Plan des Klosterguts mit Grundrissen erhaltener und projektierter Gebäude Anton Wilhelm Horst um 1745 Feder in Schwarz; laviert 45,7×72 cm · Papier (mit Tekturen) Wasserzeichen: Lilie imWappenschild mit Krone, darunter »4« als Marke und »WR«, vgl. S. 615, Typ 16H; »IV« Maßstab in Calenberger Fuß und Ruten Signaturen und Bezeichnungen: Legende u. r.: »Plan und Grund-Risse derer auff Herr- schaftl: Kosten zu erhaltener Kloster-, Kirchen und Haushalts-Gebäude auf dem Amt Heili- genrohde A: Die Kirche, ist noch in guthem Stande. B: Das Amt-Hauss, ist von 2 Etagen und vor wenig Jahren repariret. C: Der Vice-Domina Wohnung, muss durch eine Haupt-Reparation geholffen werden, und dinet das so roth punc- tiret ist, zur Verbesserung wegen Feuers­ Gefahr. D: Wohnungen vor die 4 Conventua­ linnen: Das Dach über den 2 Wohnungen neben dem Amt-Hausse ist zu verneuern: diese 2 Wohnungen haben noch eine 2 te Etage. E: Des Pastoren Wohnung ist ausser dass im Dach einiges zu verbessern, noch im Stande. F: Küster Hauss, hat einer Haupt-Reparation nöthig. G: Das Pfarr-Wittwen-Hauss, ist noch neu. H: Des Holtz-Voigts Wohnung, ist der- mahlen noch mit einer Haupt-Reparation zu helffen. I: Schäffer-Hauss, ist nichts mehr wehrt. K: Müllers Wohnung, so keiner Repara- tion meh[r] wehrt. L: Die Mahl- und Walcke Mühle, daran ist das Grund-Werck, Rad-Stuhl und Gesten mit einer Haupt-Reparation zu versehen. M: Neuerbautes Vorwerck. N: Die alte Scheure, ist baufällig im Dach und Fach, hat kein Fundament noch gute Schwellen, liegt tieff und morastig, muss überhaupt repariret oder abgenommen werden. O: Das alte Vor- werck, ist noch von gesundem Holtz und gutem Verband auch Dach und Fach. P: Der alte Schaaf-Stall, hat kein Fundament noch Schwellen, die Stender sind unten auf 1 ½ Fuess abgerottet, das Fach tauget nichts, die Fächer sind von Zäunelt Busch, und ist keiner Repara- tion wehrt. Explicatio der Veränderung. Der alte Schaaff-Stall P: würde abgenommen und in O: verlegt; die alte Scheure N: würde auch abgenommen, und statt der und des alten Vorwercks ein neues Gebäude so auff der Klappe Y: Marquiret, errichtet: Von dem alten Holtz aus P: und N: würden die Wohnungen vor den Müller und Schäffer auf der Klappe X wiederum errichtet, mithin L: und K abgenom- men und beÿ Z: die Pfänder-Wohnung aufge- schlagen. Würde aber P: allein neu aufgebauet, und N: mit dem Stroh Fach repariret, mithin X: von neuem Holtz genommen, so sind die Kosten 655 Rthlr: geringer als vorhergehendes, hingegen ist ersteres durabeler und keiner so baldigen Reparation unterworffen, auch dem Hausshalt zuträglicher.«; verso: »No. 119 im Schrank 15 Fach IV.« Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 131 Das 1182 gegründete Benediktinerkloster Heili- genrode südlich von Bremen diente nach der Re- formation als Damenstift und stand ab 1630 unter der Verwaltung der Domänenkammer. Um 1745 fand hier eine Reihe von Umbaumaß- nahmen statt, von denen ein Satz von Zeichnun- gen im Landesarchiv Hannover Zeugnis gibt, die jedoch nicht aus der Hand Horsts stammen. 1 In diesen Entstehungszusammenhang ist der vor- liegende Lageplan einzuordnen, der wesentliche Informationen zum Gebäudebestand und den projektierten sowie abgeschlossenen Baumaß- nahmen enthält. Während einige Bauten wie das Viehhaus bereits im fertigen Zustand einge- zeichnet sind, wurden die Grundrisse der neu zu errichtendenWirtschaftsgebäude, wie der einer Kornscheune, eines Schafstalls sowie eines ge- meinsamen Wohngebäudes für den Müller und den Schäfer, als Klappzettel über den älteren Bestand gelegt. Die erst nachträglich unter die Legende eingetragene »Explicatio der Verände- rung« zeigt, dass die im Plan projektierten und erläutertenBaumaßnahmenund Reparaturarbei­ ten auch zeitnah durchgeführt worden sind. Von den Neubauten dieser Zeit ist lediglich das am oberen rechten Blattrand dargestellte Doppel- wohnhaus für den Müller und den Schäfer stark umgebaut erhalten geblieben. SPa 1  NLA HA, Kartensammlung, Nr. 12, Heiligenrode 1 pm (Umgebungskarte Kirche und Mühle). – NLA HA Karten- sammlung Nr. 13, Heiligenrode 11 pk (Schweinehaus) Maß- stab: 1:125, Format: 33×22,5 cm, Zeichner: Voigt. NLA HA, Kartensammlung, Nr. 13, Heiligenrode 12 pk (Deputat- haus/Schäferhaus), NLA HA, Kartensammlung, Nr. 13, Hei- ligenrode 15 pk (Viehhaus). 286 HE I L I GENROD E Grund- und Aufriss der Klostermühle Anton Wilhelm Horst um 1745 Feder in Schwarz; braun, grau und grün aquarelliert · 33×40,5 cm · Papier Wasserzeichen: Lilie imWappenschild mit Krone, vgl. S. 626, Typ 28C Maßstab in Fuß Bezeichnungen: o. r.: »Grund- und Profil-Riss von der auff dem Kloster Heiligenrohde reparirten Mahl- und Walck-Mühlen« Inv.-Nr.: Slg. 03 Plan 416 Die detaillierte Grundriss- und Schnittdarstel- lung der Wassermühlenanlage in Heiligenrode zeigt das große Interesse, das die Baumeister um 1750 für derartige traditionell überlieferte Konstruktionen hegten und für den eigenen Ge- brauch dokumentierten. Die beiden Projektions- ebenen liefern dabei alle zum Verständnis not- wendigen Angaben. Mit zwei über unterschläch­ tige Wasserräder betriebenen Mahlwerken und einemWalkwerk, das von einemdrittenWasser- rad bewegt wurde, handelte es sich um eine aufwendigere Konstruktion, deren Betrieb über verschiedene Zuläufe einzeln geregelt werden konnte. Der Legende im Lageplan (Kat.-Nr. 285) ist zu entnehmen, dass bei der Mühle »das Grund-Werck, Rad-Stuhl und Gassen mit einer Haupt-Reparation zu versehen« waren. Der Ver- gleich der Darstellungen legt nahe, dass man die ältere Konstruktion dabei weitestgehend bei­ behielt und das Mahl- undWalzwerk lediglich in Teilen erneuerte. Die Mühle wurde im 19. Jahr- hundert abgerissen und 1843 neu errichtet. SPa

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