Leseprobe

50 Hüben und Drüben Im November 1989 ging in Deutschland die Grenze zwischen Ost undWest auf, imOktober 1990 war das Land politisch wieder vereint. Die Kontakte zwischen den Architekten, Ingenieuren und Denkmalpflegern, die sich für den Erhalt historisch bedeutsamer Bauwerke einsetzten, waren nach der Trennung 1945 nie ganz abgerissen, aber sie waren von Beginn an schwierig. Im Mai 1952 reiste der Bauingenieur Klaus Pie- per von Lübeck (West) nach Schneeberg (Ost). Sein Studienfreund, der Denkmalpfleger Hans Nadler aus Dresden, und die Evangelisch-Lutherische Kirche Sachsens hatten ihn gebeten, ein statisch-konstruk- tives Gutachten über die im Krieg stark zerstörte St. Wolfgangskirche in Schneeberg zu erstellen. Zur Reise benötigte Klaus Pieper einen Interzonenpass, mit englischen, russischen und deutschen Stempeln. Für das Gutachten berechnete er, samt Bahn- fahrkarte und Reisespesen, 198DM. Das sind 100€. Es ging nicht um Geld, man kannte sich noch, half sich persönlich, der menschliche Zusammenhalt war, wenige Jahre nach dem Krieg, noch groß. Aber das Leben in der sogenannten Ostzone und in Dresden – so notierte der Westler Klaus Pieper – war schon völ- lig anders. Der Dank des Dresdner Architekten Oswin Hempel für die Hilfeleistung aus dem Westen kam Deutsch-deutsches Expertentreffen 1988

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